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/ 11.06.2013
Shalini Randeria / Andreas Eckert (Hrsg.)

Vom Imperialismus zum Empire. Nicht-westliche Perspektiven auf Globalisierung

Frankfurt a. M.: Suhrkamp 2009 (edition suhrkamp 2548); 340 S.; brosch., 14,- €; ISBN 978-3-518-12548-9
Der Imperialismus habe sich als nützliches (wenngleich umstrittenes) Konzept zur Beschreibung der Beziehungen zwischen dem Westen und dem Rest der Welt erwiesen, schreiben die Herausgeber. Daher dient es als Bezugspunkt für die hier versammelten Analysen von Globalisierungsprozessen jenseits Europas. In kritischer Auseinandersetzung mit dem Werk „Empire“ von Hardt und Negri geht es den Autoren darum, die eurozentristische und ahistorische Perspektive, wie sie nicht nur in „Empire“, sondern auch allgemein in der politischen und akademischen Globalisierungsdebatte vorherrschend sei, zu korrigieren und „vor dem Hintergrund einer langen und komplexen Geschichte kolonialer Ausbeutung und imperialer Herrschaft“ (11) zu betrachten. Den regionalen Schwerpunkt bildet das in der Globalisierungsliteratur „merkwürdig abwesend[e]“ (24) Afrika. In mehreren Beiträgen steht die (ambivalente) Rolle des Staates im Mittelpunkt, wobei die gängige Annahme, der Nationalstaat sei obsolet geworden, von den Autoren nicht bestätigt werden kann. Außerdem werden die Politik von IWF und Weltbank, die Bedeutung der Zivilgesellschaft sowie Fragen der Rechtsentwicklung anhand von Fallbeispielen analysiert. So zeigt sich etwa, dass eine zunehmende grenzüberschreitende Verrechtlichung nicht zwangsläufig zu größerer Rechtssicherheit führt. Zudem finden sich zwei besonderes beachtenswerte Fallstudien zur globalen Biopolitik: Nancy Scheper-Hughes bietet anhand von Beispielen aus Brasilien, Südafrika und Indien einen düsteren Einblick in den globalen Handel mit menschlichen Organen. Und Vinh-Kim Nguyen beschäftigt sich mit der Ungleichheit bei der globalen Versorgung mit Aids-Medikamenten, wobei er die Herausbildung einer „therapeutischen Bürgerschaft“ (337) zur Beschaffung preisgünstiger Medikamente ausmacht. Auch wenn die Mehrzahl der Beiträge im englischen Original bereits zwischen 1999 und 2003 erschienen sind, haben sie nichts an Aktualität eingebüßt. Vielmehr belegt der Band eindrucksvoll, dass „Globalisierung nicht nur eine Geschichte (bzw. Geschichten) hat, sondern gleichsam auch eine Geographie“ (9).
Anke Rösener (AR)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 4.432.652.672.684.444.3 Empfohlene Zitierweise: Anke Rösener, Rezension zu: Shalini Randeria / Andreas Eckert (Hrsg.): Vom Imperialismus zum Empire. Frankfurt a. M.: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/9543-vom-imperialismus-zum-empire_31408, veröffentlicht am 13.10.2009. Buch-Nr.: 31408 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
CC-BY-NC-SA