/ 20.06.2013
Usama Antar
Voraussetzungen eines existenzfähigen palästinensischen Staates
Berlin: Wissenschaftlicher Verlag Berlin 2004; XI, 305 S.; brosch., 34,- €; ISBN 3-86573-013-2Politikwiss. Diss. Münster; Gutachter: R. Meyers, W. Woyke. - Diese Arbeit, obwohl in Teilen solide recherchiert, scheitert an dem universalen Anspruch an wissenschaftliches Arbeiten: subjektive Wahrnehmungen, beispielsweise von Konfliktsituationen, zugunsten von wissenschaftlicher Objektivität zurückzustellen und Pauschalurteile ebenso wie Voreingenommenheit zu vermeiden. Im Hinblick auf die deutsche Gesellschaft (die meist unter „Westeuropa“ oder „dem Westen“ gefasst wird) beschäftigt den Autor vor allem die Rolle des Holocausts für die deutsche Nahostpolitik nach 1945: „In Deutschland gilt z. B. jede Kritik an der israelischen Politik, auch wenn sie auf unwiderlegbaren Fakten beruht [...] als illegitim und wird darüber hinaus oftmals als antisemitisch diffamiert.“ (23) Der Westen, so sein Fazit, habe sich über Jahre hinweg von Israel blenden lassen: „Dem Staat Israel ist es über lange Zeit gelungen, die allgemeine Empathie für das Schicksal der Juden auf sich zu lenken und die Rolle dessen, der nur Opfer ist und das Recht auf Beistand hat, für sich zu beanspruchen. [...] Es bedurfte [...] der gewaltsamen Aufstände der ihr unterworfenen palästinensischen Bevölkerung, um die Staatengemeinschaft erkennen zu lassen, dass auch die Israelis Täter sind.“ (268) Es ist richtig, dass eine kritische Betrachtung israelischer Politik trotz (oder wegen) der Erfahrungen des Holocausts, und auch aufgrund der israelischen Politik gegenüber dem palästinensischen Volk, wichtig ist. Ebenso notwendig ist z. B. die kritische Auseinandersetzung mit US-amerikanischer oder deutscher Politik. Doch eine Legitimation von Terrorismus wie im letztgenannten Zitat, ebenso wie Vereinfachungen, Pauschalisierungen und Polemik untergraben in diesem Fall den wissenschaftlichen Anspruch des Autors.
Christiane J. Fröhlich (CJF)
Dr., Soziologie mit Schwerpunkt Friedens- und Konfliktforschung, wiss. Mitarbeiterin, Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik, Hamburg.
Rubrizierung: 2.63 | 4.41 | 3.6 | 4.22
Empfohlene Zitierweise: Christiane J. Fröhlich, Rezension zu: Usama Antar: Voraussetzungen eines existenzfähigen palästinensischen Staates Berlin: 2004, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/22906-voraussetzungen-eines-existenzfaehigen-palaestinensischen-staates_26156, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 26156
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Dr., Soziologie mit Schwerpunkt Friedens- und Konfliktforschung, wiss. Mitarbeiterin, Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik, Hamburg.
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