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/ 22.06.2013
Nicolas Scharioth

Western Democracies in the UN. Who Gets Elected and Why – A Quantitative Examination of Elections to United Nations Councils and Committees

Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2010 (The United Nations and Global Change 3); 151 S.; 24,- €; ISBN 978-3-8329-5374-4
Diss. HU Berlin; Gutachter: M. Kreile. – Die Ursachen und Charakteristika gewaltsam ausgetragener Konflikte werden häufig untersucht. Die friedvollen, aber ebenfalls von Konkurrenz und (gewaltfreiem) Wettbewerb geprägten Beziehungen zwischen Demokratien bleiben jedoch relativ unbeachtet. Diese Forschungslücke veranlasst Scharioth dazu, die Faktoren zu analysieren, die den Machtwettbewerb zwischen Demokratien bestimmen und erklären können, warum manche Demokratien international erfolgreicher sind als andere. Den Wahlwettbewerb innerhalb der Vereinten Nationen versteht er als nützlichen Untersuchungsgegenstand, um die Machtverhältnisse zwischen demokratischen Staaten zu messen. In einer quantitativen Analyse werden die Wahlen zu insgesamt 24 Subgremien und Ausschüssen in den Vereinten Nationen (VN) in den Jahren 1990 bis 2006 analysiert. Dort konkurrieren die liberal‑demokratischen Staaten des Westens um eine limitierte Anzahl von Sitzen, die ihrer Regionalgruppe zustehen. Aus neorealistischen, institutionalistischen und liberalen Aussagen über die Gestalt von Macht in den internationalen Beziehungen entwickelt der Autor überprüfbare Hypothesen, die jeweils unterschiedliche Erwartungen über den Wahlerfolg bestimmter Staaten besitzen. Die neorealistisch geprägte These nimmt den Erfolg von Staaten an, die u. a. eine überdurchschnittlich hohe Bevölkerungszahl sowie hohe Militär‑ und Staatsausgaben aufweisen. Die institutionalistische These erwartet den Erfolg von Staaten, deren Beitrag zum UN‑Budget hoch ist und die in vielen internationalen Organisationen Mitglied sind. Die aus dem Liberalismus entwickelte These bewertet die Staaten am erfolgreichsten, die ein hohes Bruttoinlandsprodukt besitzen sowie in den Rankings von Freedom House bzw. des Human Development Index hohe Plätze belegen. Die Regressionsanalyse zeigt, dass sowohl die institutionalistische als auch die neorealistische These im Rahmen der Untersuchung Erklärungskraft besitzen. In der insgesamt lesenswerten, methodisch gut angelegten Analyse betont der Autor aber auch die mangelnde Generalisierbarkeit der Ergebnisse und fordert eine Intensivierung der Forschung.
Christian Haas (CHA)
M. A., Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 4.3 Empfohlene Zitierweise: Christian Haas, Rezension zu: Nicolas Scharioth: Western Democracies in the UN. Baden-Baden: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/32621-western-democracies-in-the-un_38933, veröffentlicht am 16.08.2010. Buch-Nr.: 38933 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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