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/ 11.06.2013
H. Alexander Krauß

Whitehall zwischen Commonwealth und Common Market. Die Commonwealth- und Westeuropapolitik der Regierung Macmillan und die britische Regierungsbürokratie 1957-1963

Frankfurt a. M. u. a.: Peter Lang 1999 (Europäische Hochschulschriften: Reihe III, Geschichte und ihre Hilfswissenschaften 843); XII, 332 S.; brosch., 89,- DM; ISBN 3-631-35165-8
Geschichtswiss. Diss. Tübingen; Gutachter: A. Doering-Manteuffel / Guido Müller. - Krauß untersucht die Außenpolitik der Regierung Macmillan unter dem Blickwinkel der Regierungsbürokratie und liefert dadurch einige Einblicke in die Politikformulierung und strategischen Interessen Großbritanniens in der Zeit zwischen 1957 und 1963. Vor dem Hintergrund der in der Suez-Krise erlittenen Zurücksetzung des Großmachtstatus, der immer weitgreifenderen Unabhängigkeitswelle im britischen Kolonialreich und der sich aufdrängenden Frage einer Positionierung zur europäischen Integration stand die Regierung Macmillan vor vielfältigen Herausforderungen. Da all diese Veränderungen tief in die traditionellen Denkstrukturen eines stark eigenständigen und kontinuitätswahrenden Civil Service eingriffen, scheint der Blick auf die Bürokratie besonders aufschlussreich. Krauß zeigt vornehmlich anhand der Auswertung einschlägiger Aktenbestände, wie sich Außenpolitik zwischen den verschiedenen Ansprüchen, Perzeptionen und Philosophien des Foreign Office, des Commonwealth Relations Office und des Colonial Office zu handfesten Zielkonflikten entwickelten. Nicht selten führte dies zu einem "verhandlungstaktischen Teufelskreis" (291), wenn etwa die besonderen Beziehungen zum Commonwealth in die Verhandlungen mit Westeuropa einbezogen werden sollten, andererseits aber gerade die europäische Neuausrichtung auch Gegenstand der Auseinandersetzung im Commonwealth war. Letztlich brach sich Anfang der sechziger Jahre eine Reform des institutionellen und konzeptionellen Gefüges von Whitehall Bahn, die Krauß dazu veranlassen, die Politik Macmillans als "vielleicht folgenreicher für die Entwicklung der britischen Außenbeziehungen als die Politik jeder anderen britischen Regierung in der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts" (300) zu bezeichnen.
Manuel Fröhlich (MF)
Prof. Dr., Juniorprofessur für Politikwissenschaft, Universität Jena (www.manuel-froehlich.de).
Rubrizierung: 2.614.22 Empfohlene Zitierweise: Manuel Fröhlich, Rezension zu: H. Alexander Krauß: Whitehall zwischen Commonwealth und Common Market. Frankfurt a. M. u. a.: 1999, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/11112-whitehall-zwischen-commonwealth-und-common-market_13133, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 13133 Rezension drucken
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