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/ 21.06.2013
Roberto Mangabeira Unger

Wider den Sachzwang. Für eine linke Politik. Aus dem amerikanischen Englisch von Matthias Wolf

Berlin: Verlag Klaus Wagenbach 2007; 171 S.; 11,90 €; ISBN 978-3-8031-2555-2
„Die Welt leidet unter einer Diktatur der Alternativlosigkeit“ (23), kritisiert Mangabeira Unger, Professor für Recht in Harvard. Besonders die europäische Sozialdemokratie befinde sich auf den Rückzug und verbräme dies ideologisch als „Synthese zwischen dem Sozialstaatsprinzip europäischer Provenienz und ökonomischer Flexibilität amerikanischen Stils“ (7). Der Autor wendet sich sowohl gegen eine sozialistische Kommandowirtschaft als auch gegen die gegenwärtige Form der globalisierten Marktwirtschaft und hält zudem das „kleine Repertoire an institutionellen Lösungen“ (31) – Demokratie, Marktwirtschaft und freie Zivilgesellschaft – für unzureichend. Der Mensch müsse in „einer Welt von Demokratien“ gleichermaßen „zur Partizipation wie zum Dissens“ (31) befähigt werden. Mangabeira Unger geht es gänzlich unideologisch darum, dass stärker in Alternativen gedacht wird – und diese überhaupt für möglich gehalten werden. Konkret plädiert er deshalb für ein anderes Verhältnis in der Beziehung zwischen Sparen und Produktion, für hohe Steuereinnahmen und für „eine stärkere Mobilisierung nationaler Ressourcen: gewissermaßen eine Kriegswirtschaft ohne Krieg“ (42). Als zweite grundlegende Idee sei die Auffassung zu etablieren, dass „Sozialpolitik etwas mit Befähigung und Fähigkeit zu tun hat“ (42), er verbindet damit die Forderung nach lebenslanger Bildung. Drittens plädiert er für eine Demokratisierung der Marktwirtschaft, es sollten mehrere und vielfältigere Märkte entstehen, damit möglichst viele Menschen partizipieren können. Diese Idee „ist unvereinbar mit einer Strategie des Wirtschaftswachstums, die auf dem rückläufigen Lohnanteil im Volkseinkommen basiert“ (43). Außerdem sollte sich gesellschaftliche Solidarität nicht in Barüberweisungen erschöpfen. Ihre Grundlage sei die allgemeine Verantwortung, sich um andere zu kümmern. Die Zivilgesellschaft sollte unabhängig von Staat und Markt diese Verantwortung übernehmen. Zu fordern sei deshalb die „Konzeption einer demokratischen Hochleistungspolitik“ (46), in der der einzelne Bürger befähigt werde, die Gesellschaft mitzugestalten.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.22.222.612.645.41 Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Roberto Mangabeira Unger: Wider den Sachzwang. Berlin: 2007, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/27418-wider-den-sachzwang_32124, veröffentlicht am 16.08.2007. Buch-Nr.: 32124 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
CC-BY-NC-SA