/ 05.06.2013
Karl Marx / Friedrich Engels
Das Kommunistische Manifest. Eine moderne Edition. Mit einer Einleitung von Eric Hobsbawm
Hamburg: Argument 1999; 87 S.; geb., 25,- DM; ISBN 3-88619-322-0Das Kommunistische Manifest ist bekannt, vielfach gedruckt und bedarf keiner Besprechung. Eher muß begründet werden, warum der Verlag zu seinem 40. Geburtstag ausgerechnet eine gut gebundene neue Ausgabe dieses von vielen als überholt betrachteten Textes herausgibt. Die Antwort befindet sich in der Einleitung von Hobsbawm (9-38), dessen Essay davon ausgeht, daß die von Marx und Engels beschriebenen Entwicklungstendenzen des Kapitalismus überhaupt erst heute, im Zeitalter der Globalisierung, zur Geltung gekommen sind. Ein Indiz sei die prophezeite Zerstörung der Familie durch den Kapitalismus, die erst seit den sechziger Jahren unseres Jahrhunderts große Dimensionen angenommen habe. Es sei mithin ein Fehler gewesen, bereits 1848 vom baldigen Untergang eines sich gerade erst entwickelnden Gesellschaftssystems auszugehen. Hobsbawm wendet sich gegen den angeblichen Determinismus des Manifests, das er als ergebnisoffen interpretiert. Die historische Rolle des Proletariats ist nicht die, die ihm zugesprochen wurde. Und doch: "Es gibt gute Gründe für die Annahme, dass die immanenten 'Widersprüche' eines Marktsystems [...] niemals überwunden werden können; dass die Entwicklung dieses in höchstem Maße zur Instabilität neigenden Systems zu einem Zustand führen wird, den man nicht mehr als Kapitalismus bezeichnen kann. [...] Es ist unerheblich, welche Bezeichnung man den daraus folgenden Verhältnissen gibt. Doch wie die Auswirkungen der explosiven Expansion der Weltwirtschaft auf die globale Umwelt zeigen, müssen sie einen radikalen Umbruch markieren: die Abkehr von der bisherigen privaten Verfügung über die Produktionsmittel hin zu einer gesellschaftlichen Verfügung im Weltmaßstab." (35) Im Manifest lassen die Autoren es offen, ob die Geschichte die grundlegende Umgestaltung des Kapitalismus oder den gemeinsamen Untergang der kämpfenden Klassen bringen werde. Dies ist laut Hobsbawm in umgewandelter Form immer noch die aktuelle politische Frage.
Michael Dreyer (MD)
Prof. Dr., Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
Rubrizierung: 5.33
Empfohlene Zitierweise: Michael Dreyer, Rezension zu: Karl Marx / Friedrich Engels: Das Kommunistische Manifest. Hamburg: 1999, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/8369-das-kommunistische-manifest_11043, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 11043
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Prof. Dr., Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
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