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/ 22.06.2013
Jochen Staadt (Hrsg.)

"Die Eroberung der Kultur beginnt!" Die Staatliche Kommission für Kunstangelegenheiten der DDR (1951-1953) und die Kulturpolitik der SED

Frankfurt a. M. u. a.: Peter Lang 2011 (Studien des Forschungsverbundes SED-Staat an der Freien Universität Berlin 15); VI, 453 S.; 48,- €; ISBN 978-3-631-60548-6
„Dieses Buch gibt durch die Darstellung des Wirkens der Staatlichen Kommission für Kunstangelegenheiten Auskunft darüber, wie nach Gründung der DDR die politische Unterwerfung und Kontrolle der kulturellen Sphäre auf administrativer Ebene bewerkstelligt wurde.“ (5) Die Autoren stützen sich in ihrer Recherche hauptsächlich auf Archivmaterialien des Bundesarchivs in Berlin und Koblenz, der Stiftung Archiv der Parteien und Massenorganisationen der DDR im Bundesarchiv Berlin sowie des Bertolt-Brecht-Archivs Berlin. Den breitesten Raum nimmt die detaillierte Darstellung der Kommission als Verwaltungsapparat ein. Dagmar Buchbinder verfolgt Konzeption und Umsetzung der Behörde von ersten Ideen zur Zeit der Sowjetischen Besatzungszone bis zur Einrichtung des Ministeriums für Kultur, in dem die Kommission aufgegangen ist. Daniel Zur Weihen und Jochen Staadt veranschaulichen die Wirkungen der Behörde am Beispiel der Lenkungsversuche im Bereich der zeitgenössischen Musik und der Auseinandersetzungen zwischen der Kommission mit Bertolt Brecht und Helene Weigel über die gesellschaftliche Funktion des Theaters. Horst Laude konzentriert sich stark auf Inhalt und Funktion des Formalismus-Begriffs, den die Kommission als Kampfbegriff zur Diffamierung politisch unliebsamer Künstler benutzte. Gerade die mangelnde Klarheit der Definition machte den Formalismusvorwurf politisch so nützlich. Mit der Untersuchung der Anfangsphase der DDR-Kulturpolitik verfolgen die Herausgeber und Autoren nicht nur einen antiquarischen Zweck, sondern betrachten ihren Gegenstand als Spiegel auch der heutigen politischen Kultur. Denn „ohne Kenntnis der Mittel und Methoden, mit denen die SED der sozialistischen Monokultur in den frühen fünfziger Jahren auf die Sprünge half, sind die in ostdeutschen Landstrichen noch immer bestehenden Abwehrreaktionen gegen die offene und freie Zivilgesellschaft und die dort nach dem Ende der DDR manifest gewordenen Toleranzdefizite kaum nachvollziehbar“ (7).
Markus Lang (ML)
Dr., Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 2.314 Empfohlene Zitierweise: Markus Lang, Rezension zu: Jochen Staadt (Hrsg.): "Die Eroberung der Kultur beginnt!" Frankfurt a. M. u. a.: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/33721-die-eroberung-der-kultur-beginnt_40388, veröffentlicht am 23.06.2011. Buch-Nr.: 40388 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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