/ 22.06.2013
Isabella Löhr
Die Globalisierung geistiger Eigentumsrechte. Neue Strukturen internationaler Zusammenarbeit 1886-1952
Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 2010 (Kritische Studien Zur Geschichtswissenschaft 195); 342 S.; 59,95 €; ISBN 978-3-525-37019-3Geschichtswiss. Diss. Leipzig; Gutachter: H. Siegrist. – Löhr beschäftigt sich mit der globalen Verbreitung geistiger Eigentumsrechte, die aufgrund der zunehmenden Nutzung moderner Informations- und Speichermedien und ihrer Möglichkeiten der Vervielfältigung sowie der Bereitstellung von Texten, Musik, Bildern, Grafiken und Fotografien ins Zentrum des öffentlichen Interesses gerückt sind. Geistige Eigentumsrechte haben die Funktion, einen Ausgleich zu schaffen zwischen dem Recht des Rezipienten, sich immaterielle Werke aneignen zu dürfen, und seiner Pflicht, die Arbeit des Werkproduzenten ideell und finanziell anzuerkennen. In der geschichts- und kulturwissenschaftlichen Perspektive, die Löhr einnimmt, erscheinen sie als „Steuerungsinstrumente für den Fluss von Wissen, Information und kulturellen Gütern“ (12 f.), die spezifische Praktiken, Rollen und interpersonale Beziehungen im Bereich von Kunst und Wissenschaft instituieren. Die Autorin rekapituliert, wie es zwischen 1886, dem Jahr der Erklärung der Berner Konvention zur Anerkennung von Autorenrechten, und 1952, dem Jahr der Verabschiedung des Welturheberrechtsabkommens, zu einer weitreichenden internationalen Harmonisierung des Eigentumsrechts gekommen ist. Außerdem zeigt sie, dass es neben wirtschaftlichen und kulturellen Globalisierungsprozessen insbesondere die Organisation für geistige Zusammenarbeit (OGZ) des Völkerbundes war, die für die erfolgreiche Diffusion der Rechtsnorm sorgte. Die OGZ koordinierte ein aus nationalstaatlichen Delegationen und Berufsverbänden, Rechtsexperten und den Beamten internationaler Organisationen bestehendes Netzwerk, das auch die UNESCO nutzte, um die Globalisierung von geistigen Eigentumsrechten weiter voranzutreiben. Indem Löhr in dieser geschichtswissenschaftlichen Arbeit die Akteursqualität von internationalen Organisationen untermauert, behandelt sie eine der Kernfragen des Fachbereichs der internationalen Politik.
Marius Hildebrand (HIL)
M. A., Politikwissenschaftler, Doktorand, Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 4.1
Empfohlene Zitierweise: Marius Hildebrand, Rezension zu: Isabella Löhr: Die Globalisierung geistiger Eigentumsrechte. Göttingen: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/33955-die-globalisierung-geistiger-eigentumsrechte_40697, veröffentlicht am 18.08.2011.
Buch-Nr.: 40697
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M. A., Politikwissenschaftler, Doktorand, Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, Universität Hamburg.
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