/ 22.06.2013
Christian Volk
Die Ordnung der Freiheit. Recht und Politik im Denken Hannah Arendts
Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2010 (Schriftenreihe der Sektion Politische Theorie und Ideengeschichte in der Deutschen Vereinigung für Politische Wissenschaft 17); 299 S.; 39,- €; ISBN 978-3-8329-5058-3Diss. Aachen; Gutachter: H. König. – Nach Hannah Arendt bildet das Zusammenspiel von Recht und Politik eine Ordnung der Freiheit. Innerhalb dieser Ordnung wird das Politische, d. h. das „Miteinander-Handeln-Können rechtlich garantiert“ (279). Volk setzt in seiner Untersuchung an dieser Schnittstelle Arendt’schen Denkens an. Dass das Verhältnis von Recht und Politik bei Arendt gerade im Zusammenspiel mit ihren Begriffen von Nation und Staat in der bisherigen Forschung unterbeleuchtet blieb, stellt die besondere Aufgabe und Leistung dieser ideengeschichtlichen Arbeit dar. Volk verortet das Denken Arendts in der Zeit der Krise des Nationalstaates im 20. Jahrhundert. Der „Zivilisationsbruch“ (15) des Holocaust lenkt Arendt nach Auffassung des Autors nicht ausschließlich zurück zum Ideal der griechischen Polis als Vorbild für die politische Ordnung, sondern lässt sie ebenfalls über die Funktionsbedingungen des modernen Staates nachdenken. Die Absage der antidemokratischen Massenbewegungen an die Rationalität von Recht und die Formalisierung von Politik führt sie zu der Frage, wie eine politische Ordnung dauerhaft Stabilität erlangen kann. Das Recht müsse die Bedürfnisse der Öffentlichkeit nach Handeln und Sprechen garantieren, zugleich seien solche Handlungen nur im Einklang mit den Regeln des Verfassungsstaates legitim, so die Schlussfolgerung. Darin liege das Wesen der Freiheit. Volk gelingt es, die Wurzeln des Arendt’schen Denkens u. a. von Rousseau und Weber herzuleiten. Er führt als dritten Spannungspunkt ihres Ordnungsraumes die politische Urteilskraft des Einzelnen auf. Liegt der Sinn des politischen Handelns nach Arendt demnach im Erfahren von Normen und Rechten, so müssen die Prinzipien der Urteilskraft als Rechtsnormen gespeichert werden. Dabei wird die Frage, wie die Pluralität der politischen Stimmen und Handlungsoptionen durch das Recht im Sinne der Gerechtigkeit gesichert werden soll, bei Arendt nicht gänzlich beantwortet. Darin liegt jedoch der Kern eines nicht nur reflexiven, sondern auch auf die gegenwärtige Diskussion gerichteten Anspruchs des Betrachters, den Volk kritisch auf das Werk Arendts anwendet.
Ellen Thümmler (ET)
Dr., Politikwissenschaftlerin, wiss. Mitarbeiterin, Institut für Politikwissenschaft, Technische Universität Chemnitz.
Rubrizierung: 5.46 | 5.42
Empfohlene Zitierweise: Ellen Thümmler, Rezension zu: Christian Volk: Die Ordnung der Freiheit. Baden-Baden: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/32323-die-ordnung-der-freiheit_38570, veröffentlicht am 17.06.2010.
Buch-Nr.: 38570
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Dr., Politikwissenschaftlerin, wiss. Mitarbeiterin, Institut für Politikwissenschaft, Technische Universität Chemnitz.
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