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/ 22.06.2013
Gundula Ludwig

Geschlecht regieren. Zum Verhältnis von Staat, Subjekt und heteronormativer Hegemonie

Frankfurt a. M./New York: Campus Verlag 2011 (Politik der Geschlechterverhältnisse 46); 280 S.; 34,90 €; ISBN 978-3-593-39411-4
Politikwiss. Diss. Wien; Begutachtung: B. Sauer, I. Lorey. – Die Form des Staates sowie die Formen staatlicher Machtausübung haben sich seit der Krise des Fordismus massiv gewandelt, was nicht zuletzt an dem seit Mitte der 1980er-Jahre wieder auflebenden theoretischen Interesse am Staat ersichtlich wird. Die Autorin legt dar, dass Analysen staatlicher Transformationsprozesse, die die Frage der Definition und Konstitution gesellschaftlicher Subjekte ausblenden, zu kurz greifen. Indem sie dagegen staatstheoretische Konzepte um hegemonie- und gouvernementalitätstheoretische sowie queer-feministische Ansätze erweitert, gelingt es ihr, das wechselnde Konstitutionsverhältnis von staatlicher Machtausübung und Subjektkonstitution (hier insbesondere am Beispiel der Vergeschlechtlichung von Subjekten) zu beschreiben. Was Ludwig als neoliberale Gouvernementalität bezeichnet, lässt sich dabei freilich nicht auf eine ökonomische Determination staatlicher und gesellschaftlicher Bereiche begrenzen. Vielmehr interagieren Veränderungen der Produktionsweise mit der Transformation von Regierungstechniken und dem Wandel gesellschaftlicher Subjektkonstitutionen. Erst durch die detaillierte Analyse des Zusammenspiels dieser drei Ebenen werden letztendlich auch ihre jeweils eigenen Wandlungsprozesse vollauf verständlich und theoretisch fassbar. In diesem Zusammenhang, so wird deutlich, ist auch die Entstehung des oftmals zitierten unternehmerischen Subjekts zu sehen. Was die Vergeschlechtlichung von Subjekten betrifft, so ist die Heterogenisierung von Lebensweisen in Verbindung mit ökonomischen Forderungen nach Individualisierung von Verantwortung zwar einerseits mit einer gleichzeitigen Flexibilisierung von Regierungsweisen einhergegangen; zugleich macht Ludwig jedoch auch deutlich, dass gerade diese Flexibilisierung – im Sinne der Liberalisierung und Anerkennung unterschiedlichster sexueller Lebensweisen – eine zentrale Voraussetzung für die Stabilisierung und Aufrechterhaltung der heteronormativen Hegemonie (und damit der Hierarchisierung zwischen Männlichkeit und Weiblichkeit) im Neoliberalismus ist. Die theoretische Analyse der Autorin wirft letzten Endes mindestens ebenso viele (neue) Fragen auf, wie sie beantwortet; gerade aus diesem Grund aber ist das Buch als Ausgangspunkt für weitergehende theoretische und empirische Forschung empfehlenswert.
Björn Wagner (BW)
Dipl.-Politologe, Doktorand und Lehrbeauftragter, Universität Jena.
Rubrizierung: 5.415.422.27 Empfohlene Zitierweise: Björn Wagner, Rezension zu: Gundula Ludwig: Geschlecht regieren. Frankfurt a. M./New York: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/34054-geschlecht-regieren_40819, veröffentlicht am 02.02.2012. Buch-Nr.: 40819 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
CC-BY-NC-SA