/ 22.06.2013
Michael Henkel
Hermann Hellers Theorie der Politik und des Staates. Die Geburt der Politikwissenschaft aus dem Geiste der Soziologie
Tübingen: Mohr Siebeck 2011; XVIII, 732 S.; Ln., 109,- €; ISBN 978-3-16-151685-6Habilitationsschrift Jena; Begutachtung: K. Dicke, R. Gröschner, H. Rosa. – Hermann Heller war nicht nur einer der wenigen offen (sozial-)demokratisch gesinnten Weimarer Staatsrechtslehrer, sondern zugleich und vor allem auch Verfechter eines dezidierten Antipositivismus, der die Staatsrechtslehre ausdrücklich auf das Feld der Politik hin erweitern bzw. zurückführen wollte. Das dieser Position immanente Spannungsgefüge bildet den Hintergrund der Untersuchung, die sich in bislang nicht vorliegender Tiefe und Breite sowohl mit den juristischen wie mit den sozialtheoretischen und soziologischen Elementen in Hellers Denken auseinandersetzt. Ziel ist es dabei, mittels der Erläuterung der Heller’schen Theorie des Staates und der Politik den Nachweis zu führen, dass das Werk insgesamt eine innere Kohärenz aufweist, die nicht nur angesichts des lebensumständlich bedingt notwendig fragmentarischen Charakters erstaunt, sondern auch bislang überwiegend infrage gestellt wurde. Henkel gelingt es indes, durch eine gleichermaßen umfassende wie tiefschürfende Lektüre und Interpretation der zentralen Texte unter Einbeziehung der (v. a.: wissenschaftsgeschichtlichen und -soziologischen) Kontexte seine These durchaus nachvollziehbar zu gestalten. Am Ende des Buches wird die Rekonstruktion einer sowohl juristisch wie soziologisch fundierten und informierten, zugleich aber über diese Disziplinen bewusst hinausreichenden Politiktheorie zum Anlass genommen, die Frage nach der Anschlussfähigkeit an und Fruchtbarkeit für moderne Debatten zu stellen. Die diesbezüglichen Ausführungen zu verfassungsrechtlichen Grundsatzproblemen sind leider (zu) knapp geraten und in dieser Form nicht recht überzeugend. Demgegenüber mag, wer etwa kurrente Auseinandersetzungen um das Selbstverständnis der Politologie und ihrer Methodik nachzuvollziehen versucht, geneigt sein, den entsprechenden Protagonisten das (erneute) Lesen nicht nur der Primärtexte Hellers, sondern namentlich dieser Monografie nahezulegen.
Steffen Augsberg (AU)
Prof. Dr., Professur Öffentliches Recht, Justus-Liebig-Universität Gießen.
Rubrizierung: 5.46 | 5.41 | 2.311 | 1.1
Empfohlene Zitierweise: Steffen Augsberg, Rezension zu: Michael Henkel: Hermann Hellers Theorie der Politik und des Staates. Tübingen: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/35218-hermann-hellers-theorie-der-politik-und-des-staates_42404, veröffentlicht am 16.08.2012.
Buch-Nr.: 42404
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Prof. Dr., Professur Öffentliches Recht, Justus-Liebig-Universität Gießen.
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