/ 22.06.2013
Peter März
Mythen, Bilder, Fakten. Auf der Suche nach der deutschen Vergangenheit
München: Olzog 2010; 336 S.; hardc., 26,90 €; ISBN 978-3-7892-8322-2Deutsche Geschichte wird oftmals vor allem mit der Zeit des Nationalsozialismus identifiziert, welcher in seiner Schreckensherrschaft viele andere historische Aspekte in der Wahrnehmung zurückdrängt. Dennoch kann nicht geleugnet werden, dass sich auch andere Epochen auf unser heutiges Selbstverständnis ausgewirkt haben. Diese Einflüsse näher zu betrachten ist das Hauptanliegen des Buches von März, Leiter der Bayerischen Landeszentrale für Politische Bildung. Es handelt sich dabei weniger um eine historische Abhandlung als um einen essayistischen Streifzug durch die verschiedenen Teilbereiche der deutschen Vergangenheit. Dazu zählen etwa die Bedeutungen des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, mit dem viele auch heute noch populäre Mythen verbunden sind. Umso überraschender erscheint in diesem Zusammenhang, wie das Reich dennoch über Jahrhunderte siechend zu einer machtlosen Hülle von Kleinstaaten verkommen konnte, die unter der Eroberung Napoleons endgültig in sich zusammenfiel. Ein weiterer Schwerpunkt der Darstellung liegt in der wechselhaften deutsch-österreichischen Beziehung, die sich nach der kleindeutschen Lösung als ein stetes Sonderverhältnis kennzeichnete. Erst der Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich leitete im weiteren Verlauf der Jahre eine Phase der Entzweiung zwischen den beiden Ländern ein, in der sich Österreich als „erstes Opfer“ (151) der nationalsozialistischen Außenpolitik begreift. Auch widmet sich der Autor dem Fußball als Gradmesser gesellschaftlicher Veränderungen, beispielhaft erzählt an der Familiengeschichte Uwe Seelers, dessen Vater noch geächtet wurde für seinen Wechsel von einem Arbeitersportverein in eine „bürgerliche“ Mannschaft. Der Gewinn der Weltmeisterschaft 1954 wird von März weniger als ein Symbol des Neuanfangs gewertet. Vielmehr erblickt er hierin die Vollendung biografischer „Lebenschancen“ (256), die durch den Zweiten Weltkrieg unterbunden wurden. Die Geschichte der Bundesrepublik von 1949 bis 1989 wiederum erscheint im Kontext als das Positivbeispiel der deutschen Geschichte, an dem sich nunmehr die nach der Wiedervereinigung etablierte „Berliner Republik“ messen lassen muss.
Arne Arps (AA)
M. A., Doktorand der Politikwissenschaft, Universität Vechta.
Rubrizierung: 2.35 | 2.31
Empfohlene Zitierweise: Arne Arps, Rezension zu: Peter März: Mythen, Bilder, Fakten. München: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/33467-mythen-bilder-fakten_40053, veröffentlicht am 30.03.2011.
Buch-Nr.: 40053
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M. A., Doktorand der Politikwissenschaft, Universität Vechta.
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