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/ 22.06.2013
Verena Bärenbrinker

Nachhaltige Stadtentwicklung durch Urban Governance

Berlin: Duncker & Humblot 2012 (Schriften zum Öffentlichen Recht 1200); 553 S.; 98,30 €; ISBN 978-3-428-13551-6
Diss. Bayreuth; Begutachtung: J. Kersten, M. Möstl. – Seit gut fünf Jahren, also seit 2007, lebt nach Schätzungen der Vereinten Nationen die Mehrzahl der Menschen in Städten. Diese werden damit zu einem immer gewichtigeren Gegenstand der politischen Gestaltung. Die Arbeit von Bärenbrinker ist deshalb ein grundsätzlich wichtiger Beitrag zu einer künftig sehr bedeutsamen politischen Debatte über die Ordnung verdichteter wie umstrittener Räume und Ressourcen. Angesichts des berühmten Diktums des Stadtsoziologen Hartmut Häußermann über die „Krise der Städte“ untersucht die Autorin, inwiefern Politik und Verwaltung sowie weitere (private) Akteure gemeinsam nachhaltige Lösungen für die Herausforderung der sozialen Integration in urbanen Räumen entwickeln können: „Das Ineinandergreifen des Nachhaltigkeitsbildes und des Governance-Ansatzes wird anhand der städtebaulichen Instrumente der Sozialen Stadt, der Einrichtung privater Initiativen zur Stadtentwicklung sowie der Stadtbaumaßnahmen verdeutlicht.“ (30) Bärenbrinker ist sich in ihrer detaillierten Analyse der neuen Sozialen Frage einer „nachhaltigen sozialen Integration von Städten“ (485) den Grenzen der politischen Steuerung durchaus bewusst. So kommt sie zu dem Ergebnis, dass eine top-down-Steuerung den Herausforderungen von Stadtentwicklung nicht mehr gerecht werden wird. Vielmehr gelte es, auch die gestalterische Eigenverantwortung der Bürger zu stärken. Eine „gestaltungswillige und gestaltungsfähige Gesellschaft“ (504) könne die Stadtgesellschaft der Zukunft schaffen, die sich permanent so erneuert, dass die Stadt trotz aller Dichte und Ressourcenverknappung ein lebenswerter Ort bleibt. So sympathisch dieses Plädoyer für eine aktive Bürgerschaft, die sich konstruktiv in die Gestaltung ihres urbanen Umfeldes einbringt, auch sein mag, es ist bei genauerem Hinsehen selbst nicht frei von Voraussetzungen, etwa der, dass der Wille zur Gestaltung eines kaum noch als gemeinschaftlich begriffenen öffentlichen Raumes wohl kaum oktroyiert werden kann. Das wiederum ist aber kein Mangel des Buches, sondern ein Ansatz zur Fortsetzung der Debatte über das, was in einem permanenten Bemühen eine lebenswerte, eine den Menschen gerecht werdende Stadt ausmacht.
Matthias Lemke (LEM)
Dr. phil., Politikwissenschaftler (Soziologe, Historiker), wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Helmut-Schmidt-Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.212.263.52.3252.324.45 Empfohlene Zitierweise: Matthias Lemke, Rezension zu: Verena Bärenbrinker: Nachhaltige Stadtentwicklung durch Urban Governance Berlin: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/34928-nachhaltige-stadtentwicklung-durch-urban-governance_41999, veröffentlicht am 10.05.2012. Buch-Nr.: 41999 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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