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/ 22.06.2013
Markus Meckel / Steffen Reiche (Hrsg.)

"Nichts muss bleiben, wie es ist." Gedanken zur Gründung der Ost-SPD

Berlin: vorwärts buch GmbH 2010; 146 S.; brosch., 10,- €; ISBN 978-3-86602-480-9
Im Zentrum des Bandes steht die Neugründung der Ost-SPD im Spätsommer 1989. Die sozialdemokratische Partei in der DDR (SDP), die sich erst ab dem Januar 1990 in SPD umtaufte, war im Herbst 1989 nach Auffassung der Herausgeber die einzige politische Kraft in der DDR, die sowohl während der Wende als auch im daran anschließenden Einigungsprozess eine wichtige Funktion innehatte. Sie heben die Bedeutung der Präsenz des sozialdemokratischen Erbes in Verbindung mit langjähriger Oppositionsarbeit in der ehemaligen DDR hervor. Erst vor diesem Hintergrund sei die erfolgreiche Gründung einer Ost-SPD möglich gewesen. Auch bewiesen die Gründungsmitglieder besonderen Mut, indem sie sich an der Initiative zur Gründung der SDP beteiligten, die das Machtmonopol der SED infrage stellte. Meckel und Reiche begreifen die Parteigründung deshalb als einen revolutionären Akt. Diese Sichtweise wird von Christoph Matschie, der schon im Vorfeld der Gründung an der Aufdeckung des Wahlbetrugs der SED bei den Kommunalwahlen beteiligt gewesen war, geteilt. Ihm imponierte, dass es in der DDR auf einmal Menschen gab, die politische Entscheidungen selbst in die Hand nahmen. Die Autoren, die alle an dieser Neugründung beteiligt waren, schildern vor allem die politischen Motive für ihr Engagement. Susanne Kschenka beschreibt ihren persönlichen Weg, der sie zur Gründung der SDP geführt hatte als einen, der sich aus verschiedenen Baussteinen zusammensetzte. Einer davon sei der gewesen, dass sie bei ihrer Großmutter, einer Propstwitwe, in der Küche verschworen am Transistorradio Bundestagsdebatten gehört habe. Ihre Sympathie gehörte dabei immer den alten Haudegen der Sozialdemokratie wie Herbert Wehner und Helmut Schmidt. Einen weiteren Baustein sieht sie in der Erfahrung, dass sie aufgrund ihres christlichen Umfeldes von der Partizipation an der Entwicklung der Gesellschaft der DDR ausgeschlossen gewesen war.
Marinke Gindullis (MG)
Politikwissenschaftlerin.
Rubrizierung: 2.3142.331 Empfohlene Zitierweise: Marinke Gindullis, Rezension zu: Markus Meckel / Steffen Reiche (Hrsg.): "Nichts muss bleiben, wie es ist." Berlin: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/33362-nichts-muss-bleiben-wie-es-ist_39906, veröffentlicht am 01.03.2011. Buch-Nr.: 39906 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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