/ 22.06.2013
Thomas Grumke / Armin Pfahl-Traughber (Hrsg.)
Offener Demokratieschutz in einer offenen Gesellschaft. Öffentlichkeitsarbeit und Prävention als Instrumente des Verfassungsschutzes
Opladen/Farmington Hills: Verlag Barbara Budrich 2010; 172 S.; kart., 24,90 €; ISBN 978-3-86649-297-4Ein zumindest partieller Paradigmenwechsel in Aufgabenstellung und Arbeit des Verfassungsschutzes (VS) lässt sich aus den Beiträgen, die auf ein Symposium des Innenministeriums Nordrhein-Westfalen und der Schule für Verfassungsschutz zurückgehen, herauslesen. So plädiert Mitherausgeber Armin Pfahl-Traughber für eine „erhöhte Analysekompetenz“ der VS-Behörden durch Anwendung sozialwissenschaftlicher Methoden und eine verstärkte Öffentlichkeitsarbeit, um „so in der diskursiven Auseinandersetzung um den Extremismus in einer offenen Gesellschaft präsent zu sein.“ (15) Gerade die Anstellung von Sozialwissenschaftlern habe sich hinsichtlich der verstärkten Analysekompetenz positiv ausgewirkt, Studien hätten „die gelungene Verkopplung von sozialwissenschaftlichen Analysen mit verfassungsschützerischen Erkenntnissen“ (26) gezeigt. Kritisch wäre hier zu diskutieren, inwieweit Befunde, die sich aus geheimdienstlich generierten Quellen ergeben, sich der wissenschaftlich gebotenen intersubjektiven Nachvollziehbarkeit entziehen und somit wissenschaftsethisch und wissenschaftspraktisch problematisch sein können. Winfriede Schreiber, Leiterin des VS Brandenburg, plädiert in ihrem Beitrag für verstärkte Öffentlichkeitsarbeit als „‚Kerngeschäft’ des Verfassungsschutzes“ (34 f.) und die Schaffung und Stärkung eines „Netzwerkes von selbstbewussten Demokraten“ (39). Günter Warg diskutiert das Spannungsfeld zwischen Aufklärung der Öffentlichkeit durch den VS und dem Recht auf Meinungsfreiheit. Frank Jansen schildert seine Erfahrungen als Journalist im Umgang mit dem VS und schließlich skizziert Thomas Pfeiffer Ziele und Handlungsmöglichkeiten von Rechtsextremismusprävention, die er als „gemeinschaftlichen Auftrag der demokratischen Kräfte“ (80) begreift. In einem zweiten Teil werden eine Reihe von Beispielen aus der Präventionsarbeit einzelner VS-Behörden vorgestellt, so etwa Wanderausstellungen, die Comics „Andi“, Planspiele und andere Formen von Öffentlichkeitsarbeit. Insgesamt bietet der Band einen guten Einblick in die (Öffentlichkeits-)Arbeit des Verfassungsschutzes und regt zur kritischen Diskussion an.
Christoph Kopke (CKO)
Dr. phil., Dipl.-Pol., wiss. Mitarbeiter, Moses Mendelsohn Zentrum für europäisch-jüdische Studien, Universität Potsdam.
Rubrizierung: 2.343 | 2.37 | 2.325
Empfohlene Zitierweise: Christoph Kopke, Rezension zu: Thomas Grumke / Armin Pfahl-Traughber (Hrsg.): Offener Demokratieschutz in einer offenen Gesellschaft. Opladen/Farmington Hills: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/32644-offener-demokratieschutz-in-einer-offenen-gesellschaft_38966, veröffentlicht am 30.08.2010.
Buch-Nr.: 38966
Inhaltsverzeichnis
Rezension drucken
Dr. phil., Dipl.-Pol., wiss. Mitarbeiter, Moses Mendelsohn Zentrum für europäisch-jüdische Studien, Universität Potsdam.
CC-BY-NC-SA