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/ 22.06.2013
Emma Lantschner / Sergiu Constantin / Joseph Marko (Hrsg.)

Practice of Minority Protection in Central Europe

Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2012 (Minderheiten und Autonomien 19); 289 S.; brosch., 54,- €; ISBN 978-3-8329-6025-4
Obgleich es bereits viele Analysen über den Schutz von Minderheiten gibt, beinhalten sie so gut wie nie eine Darstellung der tatsächlichen Umsetzung legislativer Protektionsbeschlüsse. Dies ist erstaunlich, denn es gibt zum Teil erhebliche Diskrepanzen zwischen der rechtlichen Situation und der Realität vor Ort. Ziel des Sammelbandes ist es daher, eben jene Missverhältnisse zwischen Gesetz und Praxis aufzuzeigen und Gründe für die mangelhafte Implementierung zu identifizieren. Neben diesem kritischen Analyseziel werden auch best-practise-Beispiele für einen funktionierenden Minderheitenschutz vorgestellt. Für ihre Analyse beschränken sich die Autoren auf Österreich, Ungarn, Italien, Rumänien, Slowenien und die Slowakei. Einerseits eint diese Länder die Mitgliedschaft in der EU und im Europarat, weshalb sie auch die europäischen Standards des Minderheitenschutzes akzeptieren. Andererseits sind die ausgewählten Staaten sowohl von der sozialen Struktur (was Minderheiten einschließt), der demografischen Situation, der politischen Machtverhältnisse und der Parteienkonstellation als sehr heterogen zu bezeichnen, was einen „interesting mix“ (5) gewährleisten soll. Neval Berber kann in ihrem Beitrag herausstellen, dass die tatsächliche Situation im Bereich des Gebrauchs von Minderheitensprachen in den sechs Ländern als eher schlecht zu bezeichnen ist. Gerade in Rumänien klafft eine große Lücke zwischen Anerkennung des Minderheitenrechts und tatsächlicher Umsetzung, wobei es auch innerhalb des Landes Unterschiede gibt: Je größer der Minoritätenanteil (hier vor allem der Ungarn) an der Gesamtbevölkerung eines Kreises ist, desto häufiger werden die Minderheitensprachen in der Öffentlichkeit gesprochen, was wiederum einen höheren Grad an tatsächlicher Implementierung gewährleistet. Auch für die Minderheitenrepräsentation und -partizipation konstatieren Lantschner und Kmezić nach ihrer empirischen Studie in allen sechs Ländern Schwierigkeiten bei der Umsetzung. Wie die beiden Autoren für Rumänien zeigen können, sichert ein für jede Minderheit reservierter Parlamentsplatz noch keine gleiche und effektive Partizipation.
Ines Weber (IW)
M. A., Politikwissenschaftlerin (Kommunikationswissenschaftlerin, Psychologin), wiss. Mitarbeiterin, Institut für Sozialwissenschaften, Christian-Albrechts-Universität Kiel.
Rubrizierung: 4.422.232.614.422.263 Empfohlene Zitierweise: Ines Weber, Rezension zu: Emma Lantschner / Sergiu Constantin / Joseph Marko (Hrsg.): Practice of Minority Protection in Central Europe Baden-Baden: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/34866-practice-of-minority-protection-in-central-europe_41912, veröffentlicht am 19.04.2012. Buch-Nr.: 41912 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
CC-BY-NC-SA