/ 22.06.2013
Eva Kreisky / Marion Löffler / Sabine Zelger (Hrsg.)
Staatsfiktionen. Denkbilder moderner Staatlichkeit
Wien: facultas.wuv 2011; 216 S.; 19,90 €; ISBN 978-3-7089-0698-0Die „Selbstverständlichkeit, mit der im Staat der Problemlöser gesehen wird, demonstriert, dass wir uns mitnichten vom Staatsdenken befreit haben“ (7) – allen Proklamationen über das Verschwinden des Staates zum Trotz haben dies gerade die Entwicklungen rund um die jüngste Finanz- und Wirtschaftskrise gezeigt. Den Herausgebern und Autoren geht es vor allem darum zu untersuchen, was wir (in gewisser Weise: der berühmte Otto Normalverbraucher) im Kopf haben, wenn wir an den Staat denken. Wissenschaftliche Staatstheorien gibt es zur Genüge; diese kommunizieren allerdings (im besten Falle) selten über die Grenzen der eigenen Disziplin miteinander, zudem beantworten sie in der Regel nur Fragen, die (die für die eigene Disziplin interessanten) Teilaspekte des Staates behandeln. Aber der Staat ist kein Monolith, keine einheitliche Institution und kein einheitlicher Akteur, sondern eine Ansammlung unterschiedlichster Akteure, Institutionen, Diskurse und Ideologien. Sich einem Bild, wie der Staat gedacht wird, anzunähern, erfordert also einen interdisziplinären Zugang und eine offene Kommunikation. Hier macht das Buch einen Anfang. Geboten wird keine umfassende Diskussion aller relevanten Aspekte, aber der Einbezug unterschiedlicher Themen und Disziplinen (und hier insbesondere auch die Diskussion jener Aspekte, die das alltägliche Denken über den Staat auf eine weniger theoretische, dafür aber wohl realitätsnähere Weise abbilden, etwa die Behandlung des Staates in Literatur und Film) vermittelt einen ersten Einstieg in die Thematik und schafft zahlreiche Denkanstöße auch für die Frage, wie der Staat theoretisch besser und umfassender abgebildet werden kann. Denn um den Staat zu verändern und seine Gestalt an veränderte Gegebenheiten anzupassen (ein Thema, welches im zweiten Hauptteil des Buches behandelt wird), braucht es ein klareres Verständnis, welche Bilder vom Staat dominieren. Zusammenfassen lassen sich die Ergebnisse der Beiträge nicht (wohl auch deshalb wird auf ein zusammenfassendes Schlusskapitel verzichtet), eher wird eben gerade die unglaubliche Vielschichtigkeit des Staatsbegriffes deutlich. Insgesamt bietet das Buch eine anregende Lektüre für interessierte Leser ohne Vorkenntnisse ebenso wie für versierte Staatstheoretiker.
Björn Wagner (BW)
Dipl.-Politologe, Doktorand und Lehrbeauftragter, Universität Jena.
Rubrizierung: 2.21 | 2.23 | 2.27 | 2.311 | 2.331 | 2.36 | 2.4 | 5.32 | 5.41
Empfohlene Zitierweise: Björn Wagner, Rezension zu: Eva Kreisky / Marion Löffler / Sabine Zelger (Hrsg.): Staatsfiktionen. Wien: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/33632-staatsfiktionen_40276, veröffentlicht am 09.02.2012.
Buch-Nr.: 40276
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Dipl.-Politologe, Doktorand und Lehrbeauftragter, Universität Jena.
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