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/ 22.06.2013
Thomas Rothschild

0 Gerechtigkeit. Ein Essay über Verteilungsgerechtigkeit, Neid, Rache, Terror, Kompromiss und die Sozialdemokratie

Wien: Promedia 2010; 175 S.; brosch., 14,90 €; ISBN 978-3-85371-305-1
Der Autor präsentiert dem Leser einen politisch-literarischen Essay über Gerechtigkeit und keine systematische oder historische Abhandlung. Dabei zeigt er sich durchaus meinungsfreudig, auch wenn der klare rote Faden den Ausführungen manchmal abhanden zu kommen droht. Einführend befasst sich Rothschild mit der gegenwärtigen Verwendung des Wortes Gerechtigkeit. Dass man heute viel von sozialer Gerechtigkeit spreche, sollte einen aufmerken lassen, führt er aus. Denn die Beschlagnahme des Begriffs durch konkurrierende Parteien stehe im Zusammenhang mit dem Versuch, den Begriff der Gerechtigkeit für unzeitgemäß oder sogar schädlich zu erklären. Doch jüngst zeige sich, dass das Verlangen nach Gerechtigkeit nicht erlösche. Jenseits politischer Rhetorik, so der Autor, müsse es also darum gehen, den Gerechtigkeitsbegriff näher zu bestimmen. Dafür greift er auf Überlegungen Peter Kollers und John Rawls zurück. Nach Koller ist gesellschaftliche Umverteilung von Gütern immer dann geboten, wenn sich die Lage schlechter gestellter Personen dadurch verbessern lässt. Doch von der nach Rothschild hier impliziten Forderung nach der Umverteilung gesellschaftlicher Güter wann immer dies möglich ist, sei die politische Praxis weit entfernt. Was nun die politische Praxis angeht, äußert der Autor zudem grundsätzlich: „Der Staat ist zutiefst ungerecht und verstößt tagtäglich gegen das Diskriminierungsverbot […], wenn und indem er Parteien und Kirchen materiell unterstützt, die ihrerseits eine Mitgliedschaft zur Verteilung von Posten […] zur Voraussetzung machen“ (19). Zum Terrorismus führt er aus, dass Terror nicht gleich Terror sei. Es handele sich bei ihm vielmehr um den „übersteigerten Ausdruck einer auf Gewalt beruhenden Gesellschaft und zugleich die Antwort auf sie“ (132 f.). Insofern ist Terror für den Autor zwar ebenso wenig entschuldbar wie Mord, wer aber den Terror ablehne und Krieg zulasse, der „heuchelt“ (135). Rothschilds Deutung, dass Terror immer aus staatlicherseits nicht beseitigten Ungerechtigkeiten erwachse, ist hingegen sicher sehr streitbar.
Timo Lüth (TIL)
Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.235.422.222.4 Empfohlene Zitierweise: Timo Lüth, Rezension zu: Thomas Rothschild: 0 Gerechtigkeit. Wien: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/32146-0-gerechtigkeit_38343, veröffentlicht am 02.06.2010. Buch-Nr.: 38343 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
CC-BY-NC-SA