/ 22.06.2013
Ersin Özsahin
The International Constraints on Regime Changes. How Globalization Hinders the Prospects for Democratization
Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften 2010; 203 S.; softc., 29,95 €; ISBN 978-3-531-16986-6Diss. Konstanz; Gutachter: G. Schneider, C. Knill. – Ausgangspunkt dieser Studie ist ein ambivalenter, wenig beachteter Befund der Demokratisierungsforschung. Während seit 1990 erstmals mehr demokratisch als autoritär verfasste Regime auf der Welt existieren, resultiert die Mehrheit von Transitionen dennoch in der Schaffung oder Neuordnung autoritärer Strukturen. Özsahin wirft dem Mainstream der Demokratisierungsliteratur vor, sich allein auf die Untersuchung von Regimewechseln hin zur Demokratie zu konzentrieren. Damit werde aber obiger Teilbefund ignoriert und die zahlreich stattfindenden, institutionellen Veränderungen unterhalb der Schwelle des Regimewechsels blieben unbeachtet. Folgerichtig müsse auch die verbreitete Ansicht, die Integration eines Staates in den Weltmarkt fördere demokratische Strukturen, einer Überprüfung unterzogen werden. Hierzu analysiert Özsahin mithilfe eines spieltheoretischen Modells 188 Transitionen zwischen 1950 und 2000 und untersucht den Zusammenhang zwischen ausländischen Direktinvestitionen, Handelsdependenzen und Demokratieindices. Er kommt zu dem Ergebnis, dass stark in den Weltmarkt integrierte Regime keinesfalls wahrscheinlicher demokratische Entwicklungen zeitigen, sondern dadurch deren autoritäre Strukturen stabilisiert werden. Darüber hinaus resultieren eventuelle marginale institutionelle Veränderungen bei integrierten Regimen oftmals in noch autoritäreren Strukturen. Allein bei wirtschaftlich isolierten Regimen sei Demokratisierung wahrscheinlich. Diese Befunde erklärt Özsahin durch ein strukturalistische mit akteurszentrierten Ansätzen verbindendes Modell. Sowohl die Elite als auch die Bevölkerung eines Regimes würden die Kosten möglicher alternativer institutioneller Strukturen unter dem Einfluss existierender wirtschaftlicher Strukturen bewerten. Da in wirtschaftlich integrierten Regimen nachweislich höherer durchschnittlicher Wohlstand herrsche, sei die Bereitschaft beider Akteure, durch institutionelle Veränderungen ökonomische Verwerfungen zu riskieren, gering. Handelsintegration beschränke demnach die innenpolitische Politikgestaltung. Özsahin gelingt es, plausibel zu zeigen, wie Prozesse der Globalisierung die Chancen für Demokratisierung schwächen können.
Christian Haas (CHA)
M. A., Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 2.2 | 2.262 | 4.43 | 4.1
Empfohlene Zitierweise: Christian Haas, Rezension zu: Ersin Özsahin: The International Constraints on Regime Changes. Wiesbaden: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/32094-the-international-constraints-on-regime-changes_38283, veröffentlicht am 28.04.2010.
Buch-Nr.: 38283
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M. A., Politikwissenschaftler.
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