/ 05.06.2013
Hans Frankenthal
Verweigerte Rückkehr. Erfahrungen nach dem Judenmord
Frankfurt a. M.: Fischer Taschenbuch Verlag 1999 (Lebensbilder. Jüdische Erinnerungen und Zeugnisse/Die Zeit des Nationalsozialismus); 190 S.; 18,90 DM; ISBN 3-596-14493-0Bei diesem Buch handelt es sich um eine Biographie Frankenthals. Sie entstand auf Anregung des Auschwitz-Komitees in der Bundesrepublik und basiert auf umfangreichen Interviews der drei Mitautoren mit Frankenthal, die dann in den Text umgesetzt wurden. Schwerpunkte der Erzählung sind die Lebenserfahrung von Juden im ländlichen Sauerland vor der "Machtergreifung", die Verhaftung sowie Inhaftierung im Konzentrationslager Monowitz bei Auschwitz und Zwangsarbeit für die I. G. Farben. Die individuellen Lebenserinnerungen werden dabei angereichert mit politischen und historischen Reflexionen. In einem Nachwort behandeln Plake, Quinkert und Schmaltz ausführlich die Praxis der Wiedergutmachung durch die Nachfolger der I. G. Farben. Sie prangern an, daß die Auseinandersetzung seitens der Großindustrie mit ihrer nationalsozialistischen Vergangenheit nur mangelhaft erfolgt ist. Die Aufgabe des Erinnerns sei daher noch lange nicht erledigt, wovon auch Frankenthal überzeugt ist: "Angesichts des Sterbens der letzten Zeugen befürchtet Hans Frankenthal, dass sich bald niemand mehr aktiv gegen das Vergessen und für eine Auseinandersetzung mit den begangenen Verbrechen einsetzen wird. [...] Eine Ausstellung am Ort, die über das Konzentrationslager Monowitz aufklärt, wäre für das Gedenken an Auschwitz von großer Bedeutung." (188)
Markus Lang (ML)
Dr., Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 2.312
Empfohlene Zitierweise: Markus Lang, Rezension zu: Hans Frankenthal: Verweigerte Rückkehr. Frankfurt a. M.: 1999, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/8071-verweigerte-rueckkehr_10670, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 10670
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Dr., Politikwissenschaftler.
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