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/ 17.06.2013
Annette Kaminsky

Wohlstand, Schönheit, Glück. Kleine Konsumgeschichte der DDR

München: C. H. Beck 2001 (Beck'sche Reihe 1410); 176 S.; 9,90 €; ISBN 3-406-45950-1
Mit dem Slogan "Wohlstand, Schönheit, Glück" wollte die SED-Führung der Bevölkerung in der DDR stetig steigenden Lebensstandard suggerieren. Doch dieses Versprechen konnte tatsächlich niemals eingelöst werden. Stattdessen taumelte die DDR von einer Versorgungskrise in die nächste und ihre Bürger standen Schlange vor spärlich bestückten Läden mit oft kuriosen Produkten. Im Rückblick vieler Ostdeutscher ist dieser Zustand mittlerweile Objekt unkritischer Romantisierung: "Nicht wenige gedenken jener Momente mit Wehmut, als man noch solidarisch gemeinsam Schlange stand und sich brüderlich und freundschaftlich über die Engpässe hinweg half." (9) Die Autorin, wissenschaftliche Referentin bei der "Stiftung Aufarbeitung", rückt die Bedeutung von Konsum und Versorgungsmangel wieder in die historische Perspektive. Sie begreift dabei die Geschichte der DDR auch als eine Historie von konsumpolitischen Entscheidungen, die in direkter Verbindung zur politischen Geschichte standen und unterstreicht, welchen Anteil die Versorgungsmängel am Zusammenbruch der DDR hatten. Denn unmittelbar nach Öffnung der innerdeutschen Grenze rückte die wirtschaftliche Misere der DDR immer mehr in den Vordergrund der Protestbewegung. Nachdem viele Ostdeutsche die Warenwelt und den Wohlstand der Bundesrepublik mit eigenen Augen gesehen hatten, verlor die Hoffnung vieler ostdeutscher Bürgerrechtler und Intellektueller, die DDR aus eigener Kraft reformieren zu können, in den Augen der meisten DDR-Bürger rasch an Reiz. Die Vereinigung der beiden deutschen Staaten wurde nun zur dominierenden Forderung der Bürgerbewegung. Inhaltsübersicht: I. Von der "Rationengesellschaft" zur "Konsumwende" (1945-1954); II. "Keine Butter, keine Sahne - aber auf'm Mond ne rote Fahne" - Der "neue Kurs" und die "Versorgung auf Weltniveau" (1955-1961); III. Die "guten sechziger" Jahre? - "Die Unkontinuität im Angebot hemmt die sozialistische Bewußtseinsbildung und untergräbt das Vertrauen der Bevölkerung in ihren Staat" (1961-1972); IV. "In der Freude über die Erfolge übersehen wir nicht die ungenügend bewältigten Aufgaben, die verbliebenen Schwierigkeiten und Ärgernisse" - Von der individuellen Bedürfnisbefriedigung zu den "sozialistischen Errungenschaften" (1972-1980); V. Das Jahrzehnt der Krisen - "Noch nie bereitete der Einkauf so viel Verdruß und Mühe wie in jüngster Zeit" (1981-1989).
Markus Kaim (MK)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Forschungsgruppe "Sicherheitspolitik", Stiftung Wissenschaft und Politik, Deutsches Institut für Internationale Politik und Sicherheit, Berlin.
Rubrizierung: 2.314 Empfohlene Zitierweise: Markus Kaim, Rezension zu: Annette Kaminsky: Wohlstand, Schönheit, Glück. München: 2001, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/14979-wohlstand-schoenheit-glueck_16997, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 16997 Rezension drucken
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