/ 06.06.2013
Pavel Holländer
Abriß einer Rechtsphilosophie. Strukturelle Überlegungen
Berlin: Duncker & Humblot 2003 (Schriften zur Rechtstheorie 211); 119 S.; 42,- €; ISBN 3-428-10975-9Ausgehend von dem auf David Hume zurückgehenden Verbot des Schließens vom Sein auf das Sollen entwirft der tschechische Rechtstheoretiker den formalen Rahmen einer demokratischen Gerechtigkeitskonzeption. Als „nonkognitivistischer Skeptizist" (16) weigert er sich, naturrechtlich zu argumentieren, besteht aber gleichwohl darauf, dass „Recht und Moral institutionell miteinander verknüpft sind" (73). Diese Verknüpfung sieht er nicht nur durch die kontextuelle Einbettung von Verteilungs- und Ausgleichsgerechtigkeit in konkrete Gütersysteme geleistet. Darin, dass sich die Gleichheit implizierende Kooperation seit der Herausbildung der Arbeitsteilung im Neolithikum verselbständigt habe, identifiziert Holländer außerdem ein Argument für ein „Paradigma der Gleichheit" (96). Dadurch zeichne sich der Mensch vor dem Tier aus. Holländers Ziel ist es, einen „präzisen Argumentationsrahmen" (111) für eine jede Diskussion der Gerechtigkeit vorzuschlagen. Gegenwärtige Debatten über Gerechtigkeit werden mit Rawls, Nozick und Dworkin nur gestreift. Die stark auf Aristoteles Bezug nehmende Gerechtigkeitskonzeption Holländers bleibt ein wenig farblos.
Aus dem Inhalt: A. Die Rechtsnorm im philosophischen Kontext; B. Rechtsprinzipien; C. Rechtspositivismus und Naturrechtslehre: I. Die Definition des Rechts als Grundlage für die Lösung schwieriger Fälle; II. Die Diskussion des Rechtsbegriffs in jüngster Zeit; III. Die Struktur möglicher Argumente; IV. Klassifizierung inhaltlicher Spannungen zwischen dem Recht und der Moral; V. Die Zuordnung der Normsetzungskompetenz zur Lösung der inhaltlichen Spannungen zwischen Recht und Moral. D. Das Problem der Gerechtigkeit: I. Die Antinomie der Gerechtigkeit; II. Ein Definitionsversuch - Gerechtigkeit als kontextuelle Bewertung des Gebens und Nehmens von Gütern; III. Gleichheit im Gerechtigkeitsurteil; IV. Gerechtigkeit als Gegenstand institutioneller Aktivität; V. Gerechtigkeit als Ergebnis oder Prozeß; VI. Die Aufgabe der Wissenschaft.
Stefan Militzer (SM)
Dr., Publizist, Frankfurt a. M.
Rubrizierung: 5.44
Empfohlene Zitierweise: Stefan Militzer, Rezension zu: Pavel Holländer: Abriß einer Rechtsphilosophie. Berlin: 2003, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/8862-abriss-einer-rechtsphilosophie_22377, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 22377
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Dr., Publizist, Frankfurt a. M.
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