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/ 04.06.2013
Burkard Eberlein

Abschied vom Unitarismus? Regionale Innovationspolitik und "Technopole" in Frankreich

Opladen: Leske + Budrich 1997 (Gesellschaftspolitik und Staatstätigkeit 14); 305 S.; 54,- DM; ISBN 3-8100-1883-X
Diss. Konstanz; Erstgutachter: G. Lehmbruch. - Innerhalb Frankreichs lassen sich sowohl zentralistische als auch gegenläufige Strömungen nachzeichnen. "Im Zuge der allgemeinen politischen und wirtschaftlichen Krise hat mittlerweile die Skepsis gegenüber der Funktionsweise und den Ergebnissen dezentraler Politikgestaltung zugenommen." (16) Gleichzeitig wurden dezentrale Entscheidungsfreiheiten infolge der Europäisierung und wirtschaftlicher Verflechtungen verstärkt. "Heißt es also Abschied nehmen vom liebgewordenen Klischee Frankreichs als Prototyp eines hochgradig zentralisierten Einheitsstaates?" (17) Eberlein versucht diese Frage zu beantworten, indem er davon ausgeht, "daß die territoriale Entwicklungsdynamik sich nur vor dem Hintergrund ihrer Einbettung in eine spezifische 'Systemumwelt' sinnvoll beschreiben und erklären läßt" (18). Der Fokus der Analyse richtet sich auf die Schnittpunkte von Forschungs- und Technologiepolitik einerseits sowie Raumordnungs- und Regionalpolitik andererseits (19). Im Ergebnis muß sich die staatliche Politik durch das Zusammenspiel der Faktoren Wirtschafts- und Strukturkrise, Dezentralisierung und Europäisierung neu orientieren (265 f.). Dabei verlagern sich Kompetenzen von der französischen Zentralregierung zu den Regionen und auch in Richtung supranationaler Entscheidungsebenen (266). Unter dem Einfluß dieser Entwicklungen hat es in Frankreich eine Anpassung der staatlichen Leitbilder und Handlungsmuster an den neuen Systemkontext gegeben. "In der Reaktion der zentralstaatlichen Akteure auf die Herausforderung der dezentralen Technopolbewegung wird ein krisenhafter Umbruch von Orientierungen und Handlungsmustern sichtbar." (265) Somit vollzieht sich in Frankreich innerhalb der Forschungs-, Entwicklungs- und Raumordnungspolitik ein Wandlungsprozeß, welcher weniger der Logik von Regierungsprogrammen als vielmehr den weltweiten Tendenzen struktureller Veränderungen und Verflechtungen unterworfen ist.
Thomas Morick (TM)
Dipl.-Politologe.
Rubrizierung: 2.612.2622.21 Empfohlene Zitierweise: Thomas Morick, Rezension zu: Burkard Eberlein: Abschied vom Unitarismus? Opladen: 1997, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/4292-abschied-vom-unitarismus_6050, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 6050 Rezension drucken
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