/ 11.06.2013
Georg Vobruba
Alternativen zur Vollbeschäftigung. Die Transformation von Arbeit und Einkommen
Frankfurt a. M.: Suhrkamp 2000 (edition suhrkamp 2167); 153 S.; kart., 16,90 DM; ISBN 3-518-12167-7Der große Vorteil sozialwissenschaftlicher Analysen besteht in der Möglichkeit, aktuelle Probleme in ihren historischen und theoretischen Zusammenhang zu stellen. Die Diskussionen um das "Ende der Arbeitsgesellschaft" oder die Debatte um den postulierten Mangel an abhängiger Erwerbsarbeit greifen zu kurz. "Es geht mir darum zu zeigen, dass die gegenwärtigen beschäftigungs- und sozialpolitischen Probleme Ausdruck des langfristigen Prozesses der Transformation von Arbeit und Einkommen sind. Den Problemen angemessen ist darum eine Politik, die diese Transformation zu gestalten, nicht aber sie aufzuhalten versucht" (8). Vobruba weist anhand eines historischen Phasenmodells nach, dass die "Vollbeschäftigungsgesellschaft" lediglich Ausdruck einer bestimmten Epoche in der Entwicklung kapitalistischer Marktwirtschaften ist. "Mit 'Vollbeschäftigungsgesellschaft' meine ich, dass wichtige Institutionen, etwa das Steuerwesen und die Sozialpolitik, auf Vollbeschäftigung in Normalarbeitsverhältnissen aufbauen und dass das Normalmuster individueller Lebensläufe sich an abhängiger Erwerbstätigkeit orientiert" (11). Von diesem Idealmodell müssen sich Politik und Gesellschaft verabschieden. In Zukunft tritt an die Stelle eines existenzsichernden Erwerbseinkommens ein "Income Mix", der verschiedene Einkommensquellen miteinander kombiniert.
Vobruba analysiert präzise die Probleme, die dieser Transformation entgegenstehen. Neben der besonderen Struktur des Arbeitsmarktes werden auch Akteurskonstellationen, wie das "Bündnis für Arbeit", die sozialen Sicherungssysteme und die gesellschaftlichen Folgen untersucht. Damit gelingt ihm eine sozialwissenschaftlich fundierte Darstellung dieses aktuellen Themas, die auch aufgrund ihrer Kürze einen raschen Einblick in das Problemfeld Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik ermöglicht.
Inhalt: 2. Ein, zwei, drei Einkommen - alt; 3. Die Vollbeschäftigungsgesellschaft; 4. Vollbeschäftigung ist unwahrscheinlich; 5. Wer will Vollbeschäftigung?; 6. Ein "Bündnis für Arbeit"?; 7. Die doppelte Krise der Lohnarbeit; 8. Wer sitzt in der Armutsfalle?; 9. Inklusion/Exklusion - freiwillig/unfreiwillig; 10. Ein, zwei, drei Einkommen - neu; 11. Was kommt nach der Vollbeschäftigungsgesellschaft?
Ekke Martin Wöhl (EW)
Rubrizierung: 2.342 | 2.262
Empfohlene Zitierweise: Ekke Martin Wöhl, Rezension zu: Georg Vobruba: Alternativen zur Vollbeschäftigung. Frankfurt a. M.: 2000, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/12002-alternativen-zur-vollbeschaeftigung_14321, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 14321
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