/ 03.06.2013
Leo Kißler / Meinhard Zumfelde / Peter Jansen / Patrick Hunout
Arbeitskampfkulturen. Recht und Strategien von Streik und Aussperrung im deutsch-französischen Vergleich
Frankfurt a. M./New York: Campus Verlag 1997 (Deutsch-französische Studien zur Industriegesellschaft 20); 113 S.; kart., 38,- DM; ISBN 3-593-35728-3Ausgehend von der Annahme einer möglichen Europäisierung und Verbetrieblichung der Tarifvertragsstrukturen sowie des Arbeitskampfes untersuchen die Autoren Perspektiven einer Harmonisierung bzw. einer Annäherung der Arbeitskampfkulturen in Europa am Beispiel Deutschlands und Frankreichs. Dabei wird nicht nur ein Rechtsvergleich vorgenommen, sondern es werden auch kulturelle und soziale Zusammenhänge einbezogen. Es soll aufgezeigt werden, wie sich Veränderungen in einem Teilelement der nationalen industriellen Beziehungen (Verbetrieblichung des Arbeitskampfes) auf andere Elemente (Ergebnisse des Arbeitskampfes) auswirken. Die Autoren kommen zu dem Ergebnis, daß zwar vergleichbare Entwicklungstrends bestehen, diese aber unterschiedliche Probleme erzeugen: Einer Verbetrieblichung des Arbeitskampfes stehen in Frankreich keine rechtlichen Grenzen entgegen, wohingegen es in Deutschland rechtliche und soziokulturelle Schranken gibt. In Frankreich sind nicht beteiligte Arbeitnehmer am Streik stärker abgesichert als in Deutschland, wo die Arbeitgeberseite aussperren und hierdurch den Druck auf die Gewerkschaften erhöhen kann. Während in Deutschland Beamte kein Streikrecht besitzen, ist es in Frankreich funktionsbezogen. Darüber hinaus bestehen unterschiedliche Einstellungen zum Bedarf einer gesetzlichen Regulierung von Notdiensten im öffentlichen Dienst. Eine einheitliche europäische Arbeitskampfkultur infolge europäischen Arbeitskampfrechts ist nach Ansicht der Autoren nicht zu erwarten und wird von den Verbänden auch nicht gewünscht.
Inhaltsübersicht: I. Arbeitskampfrecht: 1. Europäische und internationale Rechtsgrundlagen des Arbeitskampfrechts; 2. Grundzüge des deutschen und französischen Arbeitskampfrechts im Vergleich. II. Arbeitskampfakteure und ihre Strategien: 1. Arbeitnehmer, Gewerkschaften, Unternehmer, Staat und Rechtsprechung als Akteure des Arbeitskampfes; 2. Ziele des Arbeitskampfes; 3. Streikstrategien der Gewerkschaften; 4. Arbeitskampfstrategien der Arbeitgeberseite. III. Neue Herausforderungen in Deutschland und Frankreich: 1. Herausforderungen aufgrund der Verbetrieblichung von Interessenkonflikten; 2. Herausforderungen aufgrund einer Zunahme von drittbetroffenen Arbeitnehmern; 3. Herausforderungen bei der Sicherung des Gemeinwohls und der Daseinsvorsorge; 4. Herausforderungen aufgrund der europäischen Integration. IV. Ergebnisse und Handlungsempfehlungen für die Zukunft. Die Grenzen von 'law and order': 1. Zusammenfassung; 2. Handlungsempfehlungen für Deutschland.
Martina Böhner (Bö)
Dr.
Rubrizierung: 2.22 | 2.331 | 2.61
Empfohlene Zitierweise: Martina Böhner, Rezension zu: Leo Kißler / Meinhard Zumfelde / Peter Jansen / Patrick Hunout: Arbeitskampfkulturen. Frankfurt a. M./New York: 1997, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/3084-arbeitskampfkulturen_4036, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 4036
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