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/ 11.06.2013
Christoph Classen

Bilder der Vergangenheit. Die Zeit des Nationalsozialismus im Fernsehen der Bundesrepublik Deutschland 1955-1965

Köln/Weimar/Wien: Böhlau Verlag 1999 (Medien in Geschichte und Gegenwart 13); VIII, 242 S.; brosch., 58,- DM; ISBN 3-412-01999-2
Geschichtswiss. Examensarbeit Hamburg. - Der Autor thematisiert in seiner Arbeit die Auseinandersetzung der Deutschen mit ihrer nationalsozialistischen Vergangenheit in den Anfangsjahren der Bundesrepublik. Der Schwerpunkt liegt dabei auf dem Fernsehen, da gerade dieses Medium für die Veränderung der sozialen Realität und die politische Sozialisation eine maßgebliche Rolle gespielt hat. Die Besonderheit von Massenmedien als historischen Quellen liegt in ihrem ambivalenten Charakter, so Classen: Einerseits fungieren Programminhalte als soziales Gedächtnis, andererseits wird gerade der Inhalt von Diskursen durch die Massenmedien geprägt. Der erste Teil der Arbeit enthält eine umfangreiche Behandlung des Themas Nationalsozialismus im westdeutschen Fernsehen des Zeitraums 1955-1965. Im Anschluß versucht der Autor eine Rekonstruktion des verbreiteten Geschichtsbildes hinsichtlich der Frage, in welchem Umfang und wie die Auseinandersetzung der Öffentlichkeit stattfand. Die quantitative Untersuchung gründet auf einer Vollerhebung der Fernsehbeiträge auf der Basis einer Programmzeitschrift und weiterer Quellen. Bei der qualitativen Betrachtung beschränkt sich Classen auf vier exemplarische Beiträge. Im Ergebnis der Studie zeigt sich, daß in der Anfangszeit des Fernsehens nur ein gering ausgeprägtes Problembewußtsein existierte, das über eine oberflächliche Verurteilung des Nationalsozialismus nicht hinausreichte. Eine Mitverantwortung der Bürger wurde in gesendeten Beiträgen praktisch ausgeschlossen, und als Opfer wurde lediglich die deutsche Bevölkerung thematisiert. In dieser Form stellte das vermittelte Geschichtsbild einen Kompromiß zwischen Interessen der jungen Republik und der kollektiven Befindlichkeit dar, so Classen. Erst in den sechziger Jahren erfolgte eine langsame Demokratisierung des Mediums und ein analytischer Zugang zur Problematik gewann an Einfluß.
Stefan Göhlert (SG)
M. A., Politikwissenschaftler, Protokollchef und Bürgerbeauftragter in der Verwaltung der Stadt Jena.
Rubrizierung: 2.3332.3132.35 Empfohlene Zitierweise: Stefan Göhlert, Rezension zu: Christoph Classen: Bilder der Vergangenheit. Köln/Weimar/Wien: 1999, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/10537-bilder-der-vergangenheit_12458, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 12458 Rezension drucken
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