/ 11.06.2013
Daniela Hoyer
Charles de Gaulle und die Massenmedien. Wie ein Politiker Presse und Rundfunk instrumentalisierte
St. Augustin: Gardez! Verlag 1998 (Publizistik im Gardez! 2); 192 S.; brosch., 49,90 DM; ISBN 3-928624-81-4Die Untersuchung des Verhältnisses des französischen Generals und späteren Staatspräsidenten de Gaulle zu den Medien ist aus zwei Gründen besonders interessant: Erstens wird der insbesondere nach dem Zweiten Weltkrieg stetig wachsende Einfluß zunächst der Printmedien und des Rundfunks sowie ab dem Ende der fünfziger Jahre auch des Fernsehens innerhalb des französischen politischen Systems eindrucksvoll nachgezeichnet. Vom Appell de Gaulles vom 18. Juni 1940 aus dem Londoner Exil über die Errichtung des staatlichen Rundfunkmonopols 1945/1946 und die Einrichtung des die Medien kontrollierenden Informationsministeriums bis hin zum gezielten Einsatz moderner Darstellungstechniken im Fernsehen ist die Entwicklung einer jungen Demokratie zu einer sogenannten "Telekratie" am französischen Beispiel deutlich nachzuvollziehen. Zweitens unterstreicht die Untersuchung, mit welchem Geschick de Gaulle sich den verschiedenen Anforderungen der jeweils einflußreichsten Medien anpassen konnte: Nachdem er in den dreißiger Jahren gezielt Artikel in militärischen Fachzeitschriften publiziert hatte, um sich für seine Ideen Gehör zu verschaffen, später in der Besatzungszeit mit brillanter Rhetorik das Radio für seine Zwecke instrumentalisiert hatte und schließlich als Staatspräsident mit größtmöglicher Außenwirkung Pressekonferenzen inszeniert hatte, gelang es ihm (nach einigen von Hoyer schön beschriebenen Anfangsschwierigkeiten) in den sechziger Jahren auch, die viel effektivere Öffentlichkeitswirksamkeit des Fernsehens für sich zu nutzen.
Der Überblickscharakter des Buches verdeutlicht, daß das Thema in der Literatur längst nicht abschließend behandelt ist. So sind beispielsweise die fragliche Legitimität der im Buch beschriebenen Zensurmethoden des Informationsministeriums unter de Gaulle sowie dessen Verhältnis zu Journalisten während seiner Zeit als Staatspräsident Themen, die interessante Fragestellungen für weitere, tiefergehende Studien bereiten würden. Unter einem deutlicher politikwissenschaftlichen Aspekt könnten dabei die von der Autorin zwar zu Beginn des Textes angesprochenen, aber leider nicht konsequent weiterverfolgten Hypothesen von Medienwirkungsforschern gezielter angewandt werden.
Tamara Keating (TK)
Dr., Politikwissenschaftlerin.
Rubrizierung: 2.61 | 2.24 | 2.22
Empfohlene Zitierweise: Tamara Keating, Rezension zu: Daniela Hoyer: Charles de Gaulle und die Massenmedien. St. Augustin: 1998, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/11201-charles-de-gaulle-und-die-massenmedien_13246, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 13246
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Dr., Politikwissenschaftlerin.
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