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/ 12.06.2013
Didier Caluwaerts

Confrontation and Communication. Deliberative Democracy in Divided Belgium

Brüssel u. a.: Peter Lang 2012 (Applied participatory methods 2); 227 S.; 34,80 €; ISBN 978-3-0352-6228-5
Diss. Brüssel; Begutachtung: K. Deschouwer. – Belgien ist schon irgendwie ein Wunder. Da lebt ein Volk – manche würden auch sagen: zwei Völker – mitten in Europa, in einem Land, mit einem König, drei Sprachen und diversen nationalen und subnationalen Parlamenten eine unglaublich lange Zeit ohne eine funktionierende Regierung – und hört partout nicht auf zu existieren. Vor dem Hintergrund dieses doch sehr erstaunlichen Befundes untersucht Didier Caluwaerts in seiner im Bereich der deliberativen Demokratietheorie angesiedelten Dissertation, inwieweit eine nur schwach ausgeprägte gemeinsame politische Kultur die demokratische Qualität der politischen Teilhabeprozesse in einem Land unterminieren kann. Mit Blick auf den in Belgien herrschenden Konflikt zwischen Flamen und Wallonen analysiert er ein unter Rückgriff auf den Discourse Quality Index (DQI) durchgeführtes Experiment. Im Rahmen dieses Experiments wurde kleinen, entweder gemischt‑ (flämisch/französisch) oder einsprachigen Gruppen die Frage „How do you see the future of Belgium?“ (99) zur Diskussion vorgelegt. Caluwaerts hat das vor, während und nach den Diskussionen durch Fragebögen erhobene Datenmaterial ausgewertet und kommt hinsichtlich der deliberativen Kapazität von Diskursen zwischen inhaltlich hochgradig voneinander abweichenden Gesprächspartnern zu einem interessanten Befund. Demnach führt eine höhere inhaltliche Abweichung der Positionen der Gesprächspartner, also die Tatsache, dass Sprecher immer auch mit Sprechern der Outgroup konfrontiert sind, in der Summe zu einer höheren Diskursqualität. Hieraus leitet er, mit Blick auf das Funktionieren der deliberativen Demokratie auch angesichts einer maximal erträglichen Abweichung der Gesprächspartner, den Schluss ab: „[D]eliberative democracy is relatively robust against deep disagreements.“ (191) Insgesamt besticht die Studie durch ihre prägnante und präzise Sprache, ihre differenzierte Aufbereitung des experimentellen Settings sowie die detaillierte Auswertung mitsamt den darin enthaltenen Interpretationen. Für die Auseinandersetzung mit empirischer Demokratieforschung – und für die Auseinandersetzung mit dem Phänomen Belgien – ist der Band definitiv ein Gewinn.
Matthias Lemke (LEM)
Dr. phil., Politikwissenschaftler (Soziologe, Historiker), wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Helmut-Schmidt-Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.612.21 Empfohlene Zitierweise: Matthias Lemke, Rezension zu: Didier Caluwaerts: Confrontation and Communication. Brüssel u. a.: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/14533-confrontation-and-communication_43506, veröffentlicht am 25.04.2013. Buch-Nr.: 43506 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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