/ 12.06.2013
Johannes Schäfer
Das autonome Saarland. Demokratie im Saarstaat 1945-1957
St. Ingbert: Röhrig Universitätsverlag 2012 (Röhrig Zeitgeschichte 1); 259 S.; hardc., 26,- €; ISBN 978-3-86110-513-8Der Autor beschreibt die Entstehung, Etablierung, zwölfjährige Existenz und das Ende eines nominell eigenständigen Staatsgebildes von 1945 bis 1957. „Die Herstellung einer gewissen politischen Autonomie, die Herauslösung aus dem deutschen Staatsverband und die wirtschaftliche Angliederung an die Französische Republik“ waren Eckpunkte des Kleinstaates, der von dem Remigranten Johannes Hoffmann regiert wurde. Schäfers Studie ist die erste „systematische Analyse des saarländischen Herrschaftssystems auf der Basis einer fundierten Demokratietheorie“ (19) und basiert auf der Methode der Oral History. Der Autor hat vier wichtige Zeitzeugen befragt und deren Aussagen zur Entstehung des politischen Systems analysiert. Dokumentiert werden auf dieser Grundlage Zensur, Ausweisungen, Repressionsmaßnahmen, Pressekontrolle und Machtmissbrauch im Herzen Westeuropas. Schäfer weist anhand des Theoriekonzepts der defekten Demokratien nach, dass das damalige „saarländische Herrschaftssystem in besonderem Maße Merkmale einer illiberalen Demokratie aufwies, da die gewählte Saarregierung elementare Grund- und Menschenrechte sowie liberale Freiheits- und Bürgerrechte verletzte und damit den Rechtsstaat unterhöhlte“ (168). Verfassungsrechtlich war dokumentiert, dass das Saarland nur teilautonom und vor allem wirtschaftlich sowie im Steuer-, Haushalts- und Justizwesen von Frankreich abhängig war. 1955 beendete das Referendum über das sogenannte Saarstatut die Demokratiedefizite schlagartig. Zwei Drittel der Abstimmungsteilnehmer entschieden sich „für das Ende eines demokratiedefizitären saarländischen Sonderregimes“ (189) und für die erste kleine deutsche Wiedervereinigung. Die Abstimmung allerdings „entfachte erbitterte Auseinandersetzungen innerhalb der saarländischen Gesellschaft, die noch über Jahre hinweg im saarländischen kollektiven Gedächtnis eingebrannt blieben“ (188 f.). Schäfer hat eine verdienstvolle politikwissenschaftliche Studie vorgelegt, in der er die Demokratiedefizite des autonomen Saarlands unter Johannes Hoffmann ohne falsche Rücksichten in bemerkenswerter Klarheit beschreibt.
Armin König (AK)
Dr., Verwaltungswissenschaftler, Bürgermeister der Gemeinde Illingen, Dozent Fachhochschule für Verwaltung (FHSV) des Saarlandes.
Rubrizierung: 2.313 | 2.32 | 2.331 | 2.332
Empfohlene Zitierweise: Armin König, Rezension zu: Johannes Schäfer: Das autonome Saarland. St. Ingbert: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/14523-das-autonome-saarland_42926, veröffentlicht am 15.11.2012.
Buch-Nr.: 42926
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Dr., Verwaltungswissenschaftler, Bürgermeister der Gemeinde Illingen, Dozent Fachhochschule für Verwaltung (FHSV) des Saarlandes.
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