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/ 04.06.2013
Julius H. Schoeps

Das Gewaltsyndrom. Verformungen und Brüche im deutsch-jüdischen Verhältnis

Berlin: Argon 1998; 198 S.; brosch., 34,- DM; ISBN 3-87024-463-1
Die Geschichte des deutsch-jüdischen Verhältnisses ist eine Geschichte fortwährender Verformungen und Brüche. In den letzten 250 Jahren zeigt sie sich überschattet von Orgien der Gewalt oder zumindest Gewaltandrohungen. Schoeps, Professor für Neuere Geschichte und Direktor des Moses Mendelssohn Zentrums für europäisch-jüdische Studien an der Universität Potsdam, verfolgt in seiner Essay- und Aufsatzsammlung diese Spur (gestörter) deutsch-jüdischer Beziehungen. Die Beiträge entstanden zu verschiedenen Anlässen und im Zeitraum von mehreren Jahren. Sie wurden zum Teil erweitert und überarbeitet. Die Themen kreisen um das antisemitische Vorurteil, um die Faszination des Nationalsozialismus und die Frage, wie aus "braven Familienvätern" "brutale Killer" werden konnten. Ein einfühlsames, traurig stimmendes und wichtiges Buch. Inhalt: Stationen deutsch-jüdischer Beziehungsgeschichte: Von den Mühen, akzeptiert zu werden. Das deutsche Judentum zwischen Anpassung, Ausgrenzungspolitik und Abwehrkampf. Wahnvorstellungen und Kollektivpsychosen: Die tödliche Bedrohung. Der Antisemitismus als Mobilisierungs- und Integrationsideologie in der Zeit des Kaiserreiches; Von Luther zu Hitler: Oder wie Geschichte zum Trauma wird; Das Wiener Riesenbabylon. Die Lehrjahre des jungen Adolf Hitler; Erlösungswahn und Vernichtungswille. Der Nationalsozialismus als politische Religion; Umsiedlungspolitik und NS-Judenmord, Götz Alys Studien und mögliche Konsequenzen für die deutsche Geschichtswissenschaft; Deutschland, Goldhagen und die kollektive Erinnerung. Eine Debatte, die nach wie vor die Gemüter bewegt. Hoffnungen, Ängste, Alpträume: Deutscher als die Deutschen. Warum so viele Juden den Hitler-Staat nicht verlassen wollten; "Ick kann jar nich so viel fressen, wie ick kotzen möchte". Max Liebermann, die Nazis und das Scheitern der deutsch-jüdischen Symbiose; Gab es einen jüdischen Widerstand? Abwehrstrategien gegen Hitler und den NS-Terror; Der Umgang mit dem Judesein. Zur Debatte um ein schwieriges Identitätsproblem; JudenFragen. Oder: Von den Mühen der Selbstvergewisserung. Interviews, Stellungnahmen, Positionen: Der Libeskindbau als Holocaust-Mahnmal? Gefordert ist neues Nachdenken im Umgang mit deutsch-jüdischer Geschichte; "Erst wir, dann die anderen". Österreich, die Fremdenfeindlichkeit und die Veränderung des politisch-kulturellen Klimas; Beruf als Berufung. Probleme der "Erinnerungskultur" und Fragen zur Zukunft jüdischen Lebens in Deutschland.
Claudia Bruns (CB)
Dr., Historikerin.
Rubrizierung: 2.352.23 Empfohlene Zitierweise: Claudia Bruns, Rezension zu: Julius H. Schoeps: Das Gewaltsyndrom. Berlin: 1998, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/6035-das-gewaltsyndrom_8211, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 8211 Rezension drucken
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