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/ 11.06.2013
Birgit Wartenpfuhl

Dekonstruktion von Geschlechtsidentität - Transversale Differenzen. Eine theoretisch-systematische Grundlegung

Opladen: Leske + Budrich 2000; 249 S.; kart., 48,- DM; ISBN 3-8100-2658-1
Diss. Osnabrück. - Das Werk zielt auf eine theoretisch-systematische Grundlegung für ein verändertes Verständnis von Geschlecht, eines "transversalen Geschlechts" (231). Ausgangpunkt ist die in den letzten zwei Jahrzehnten gewachsene Ungewissheit der Frauen- und Geschlechterforschung über ihren Gegenstand: Was ist "Frau", was ist "Geschlecht", lauten die Fragen, nachdem von Poststrukturalismus und Konstruktivismus diese Kategorien zunehmend unterhöhlt und als keineswegs naturgegeben vorgeführt worden sind. Die Arbeit zielt nun auf eine Neubestimmung der Kategorie Geschlechterdifferenz "jenseits von Opposition, Negation und Ausschließung" (15), und zwar durch eine "Hinterfragung der binären Strukturierung der Geschlechterdifferenz" (15) selbst. Die Autorin beschreibt diese Unterscheidungsproblematik für die deutsche Frauenforschung angesichts der Rezeption US-amerikanischer feministisch-poststrukturalistischer Theorien und plädiert aufgrund der Probleme einer fortgesetzten "Dramatisierung der Differenz" für eine "Matrix von Differenzen". Damit wird die Perspektive auf die Hervorbringung von (nicht nur geschlechtlichen) Differenzen und Identitäten verschoben. Als geeignet für das Verständnis des Vorgangs des Unterscheidens selbst benennt die Autorin drei Forschungsansätze beziehungsweise Theorieströmungen, die sie sorgfältig und kundig rekonstruiert. Die recht knappen abschließenden Ausführungen zum transversalen Geschlecht beruhen stark auf dem Denken Derridas und zielen gegenüber einem identitätslogischen, binären Denken (das Eine/das Andere) auf die Anerkennung einer konstitutiven Inkohärenz von Subjekten, deren Identität vielmehr relational in einem Netz von Differenzen und Positionen bestimmt sei durch das, was sie jeweils nicht ist. Inhaltsübersicht: Einleitung: Wozu heute noch sozialwissenschaftliche Frauenforschung? Geschlechterdifferenz: Paradoxien des Unterscheidens: I. Entwicklungslinien der US-feministischen Theoriedebatte zur Geschlechterdifferenz; II. Geschlechtertrouble in der bundesrepublikanischen sozialwissenschaftlichen Frauenforschung: Der Streit um Butler, das "Grausen" vor der Dekonstruktion, die Frage nach der Bestimmung von Geschlecht; III. Aktuelle Debatten zur Geschlechterdifferenz in der bundesrepublikanischen sozialwissenschaftlichen Frauenforschung. Ethnomethodologischer Konstruktivismus: Wie Geschlechter-Differenzen gemacht werden: I. Einleitung: Dimensionen der Sperre gegenüber konstruktivistischen Theorien; II. Verortungen, Ausgangspositionen und Paradigmen des ethnomethodologischen Konstruktivismus; III. Erklärungsansätze für das Verhältnis zwischen situationsimmanenten und situationsübergreifenden Konstruktionsprozessen von Geschlecht; IV. Theoretische und empirische Konsequenzen einer ethnomethodologisch-konstruktivistischen Perspektive. Die Perspektive der Dekonstruktion: Wo ein Gegensatz ist, soll Differenz werden: II. Identitätslogiken, metaphysisches Denken und die Konstruktion 'des Anderen'; III. Dekonstruktion im Kontext der Philosophie Derridas; IV. Différance - Rhizom - Transversal. Die Verkehrung der Geschlechter - Identitäten - Differenzen: Psychoanalyse und Dekonstruktion von Geschlechtsidentität - Wo bleibt die Differenz? II. Das eigentümliche Verhältnis zwischen Dekonstruktion und Psychoanalyse; IV. Dekonstruktion der metaphysischen Einheit. Transversale Differenzen - Transversales Denken: Herausforderungen.
Achim Wiesner (wie)
Dipl.-Politologe.
Rubrizierung: 2.27 Empfohlene Zitierweise: Achim Wiesner, Rezension zu: Birgit Wartenpfuhl: Dekonstruktion von Geschlechtsidentität - Transversale Differenzen. Opladen: 2000, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/12141-dekonstruktion-von-geschlechtsidentitaet---transversale-differenzen_14493, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 14493 Rezension drucken
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