/ 03.06.2013
Gunther Mai
Der Alliierte Kontrollrat in Deutschland 1945-1948. Alliierte Einheit - deutsche Teilung?
München: R. Oldenbourg Verlag 1995 (Quellen und Darstellungen zur Zeitgeschichte 37); 536 S.; 198,- DM; ISBN 3-486-56123-5Habilschrift München. - Der Autor untersucht in einer breit angelegten Untersuchung eine Auswahl der wichtigsten Politikfelder. Zunächst waren dies bis 1946 die Bemühungen um die Wahrung der politischen Einheit Deutschlands. Der Autor sieht in der von der European Advisory Commission entwickelten Konstruktion des Kontrollrats den Hauptgrund, warum weder Zentralverwaltungen noch Parteien oder Gewerkschaften auf gesamtdeutscher Ebene geschaffen werden konnten (14). Die Bewahrung der Wirtschaftseinheit konnte nur solange auf einigen untergeordneten Teilgebieten gelingen, bis sie "über die unvereinbaren Gegensätze bei den Reparationen und der Währungsreform endgültig zerbrach, als erkennbar wurde, in welchem Maße diese Fragen prinzipielle Strukturentscheidungen über Sozial-, Wirtschafts- und Eigentumsverfassung implizierten" (14). Der Autor begründet das Scheitern des Kontrollrats mit der Struktur und den gegensätzlichen Interessen der Vier Mächte. Mit dem in das Potsdamer Abkommen übernommenen Formelkompromiß der European Advisory Commission gaben London und Washington ihre Vorstellungen von einer stärkeren zentralen Kontrolle zugunsten der sowjetischen Betonung der Autonomie der Zonenbefehlshaber auf. Die Sowjetunion - so die Begründung des Autors - war "offenkundig nicht gewillt, ein Hineinregieren alliierter Kontrollratsorgane oder gar deutscher Zentralverwaltungen in ihre Zone hinzunehmen. Das deutet darauf hin, daß sie im Konfliktfalle bereit war, in ihrer Zone eigene Wege zu gehen; dies war Grundlage ihrer 'souveränen' Herrschaft in Deutschland" (25). Der Kontrollrat erwies sich deshalb als strukturell ungeeignet und ließ die Interessengegensätze voll zur Geltung kommen.So konnte der Kontrollrat Deutschland nur noch auf der Grundlage des kleinsten gemeinsamen Nenners verwalten. Nach dem Scheitern der Zusammenarbeit und nach "der Redefinition der deutschlandpolitischen und globalen Ziele" standen "nur noch die Modalitäten zur Debatte, wie die Kontrollratstätigkeit zu beenden und der Weg zur 'vorübergehenden' deutschen Teilung zu gestalten sei, ohne die besatzungsrechtlichen Ansprüche und ohne die Sympathie der Deutschen zu verlieren", was der Autor im letzten Teil seines Buches detailliert untersucht.
Die Studie basiert auf einer umfangreichen Auswertung von Dokumenten aus den Archiven der drei Westmächte. Eingang in die schon Ende 1989 weitgehend fertiggestellte Arbeit fanden nach dem Umbruch zugänglich gewordene Dokumente aus den Archiven der SBZ/DDR und erste Veröffentlichungen aus sowjetischen Archiven.
Michael Broer (MB)
Dr., Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 2.313
Empfohlene Zitierweise: Michael Broer, Rezension zu: Gunther Mai: Der Alliierte Kontrollrat in Deutschland 1945-1948. München: 1995, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/883-der-alliierte-kontrollrat-in-deutschland-1945-1948_775, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 775
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Dr., Politikwissenschaftler.
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