/ 22.06.2013
Susanne Schregel
Der Atomkrieg vor der Wohnungstür. Eine Politikgeschichte der neuen Friedensbewegung in der Bundesrepublik 1970-1985
Frankfurt a. M./New York: Campus Verlag 2011 (Historische Politikforschung 19); 410 S.; kart., 39,90 €; ISBN 978-3-593-39478-7Diss. TU Darmstadt; Begutachtung: D. Schrott, M. Löw, S. Reichardt. – In ihrer politikgeschichtlichen Untersuchung befasst sich die Autorin v. a. anhand friedenpolitischer Publikationen ausführlich mit der Entstehung der Friedensbewegung in den Jahren 1970 bis 1985. Dabei geht es ihr insbesondere darum, auf welche Weise die Akteure der neuen Friedensbewegung die Auseinandersetzung um die Bewahrung des Friedens in Form einer politischen Strategie bewusst „lokalisierten“. Schregel verortet den Ursprung dieser Entwicklung im Kontext der modernitätsskeptischen Wende der frühen 1970er-Jahre, in der Regionalismen neu auflebten und die „emotional besetzte Raumkategorie der ‚Heimat‘ eine Aufwertung“ (11) erfuhr. Sie verweist damit auf Prozesse räumlicher Redimensionierung, die als soziale Phänomene beschreibbar werden und eine Verbindung schaffen zwischen der räumlichen Organisation und Strukturierung des Politischen einerseits sowie den Formen und Modi politischen Handelns andererseits. Entsprechend beschreibt die Autorin verschiedene politische Praktiken der Friedensaktivisten wie die aus den USA inspirierten Militarisierungsatlanten, Atomkriegsromane oder „Körper-Räume“ (226). Unter Letzterem versteht sie körperorientierte Aktionsformen, die in Menschenketten oder Schweigekreisen „die Beschaffenheit einer Beziehung zwischen den gemeinsam handelnden Einzelnen betonen – etwa Gemeinschaftlichkeit und sozial rückgebundene Individualität“ (265). Eine (über-)lebenspraktischere Strategie schildert die Autorin mit den Bunker-Kampagnen, in denen darauf hingewiesen wurde, dass es für die Bevölkerung weder genug Bunker noch Bauplätze für diese gab. Die friedenspolitische Wende in den Nahraum, erläutert Schregel abschließend, machte eine Trennung des Politischen nach bestimmten Sphären unmöglich. Als politisch galt, „was ‚vor Ort‘ politisiert werden konnte – die eigene Straße, das eigene Haus; sei es der eigene Körper oder die Kirchengemeinde“ (342). So war es auch möglich, dass sich sehr heterogene Akteure in der Friedensbewegung vereint fanden.
Sabine Steppat (STE)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.313 | 2.331
Empfohlene Zitierweise: Sabine Steppat, Rezension zu: Susanne Schregel: Der Atomkrieg vor der Wohnungstür. Frankfurt a. M./New York: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/34472-der-atomkrieg-vor-der-wohnungstuer_41404, veröffentlicht am 01.03.2012.
Buch-Nr.: 41404
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Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
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