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/ 20.06.2013
Robert Böhmer

Der Geist des Kapitalismus und der Aufbau Ost. Eine institutionalistische Analyse des hemmenden Einflusses von Denkgewohnheiten und Mentalitäten auf die ökonomische Entwicklung der neuen Bundesländer – auf der Grundlage von Thorstein Veblens 'Regime of Status' und Max Webers 'Geist des Kapitalismus'

Dresden: Thelem Universitätsverlag 2005; 311 S.; kart., 35,- €; ISBN 978-3-937672-42-7
Wirtschaftswiss. Diss. Dresden; Gutachter: M. Lehmann-Waffenschmidt; U. Blum. – „Erst der Blick auf die ökonomischen Zusammenhänge und die wirtschaftliche Entwicklung öffnet die Augen für die Herausforderungen, vor denen eine Gesellschaft steht“ (309), schreibt Böhmer und benennt den „Aufbau Ost“ als ein zuerst von den Ostdeutschen selbst zu bewältigendes Problem. Nur sei die Bürgerrechtsbewegung 1989/90 mit den Ansprüchen einer selbst bestimmten Identität und eines inneren Aufbruchs gescheitert. Statt den Ideen der Bürgerrechtler wählt Böhmer deshalb Veblens „Regime of Status“ als Basis einer institutionalistischen Analyse und definiert den Weber’schen „Geist des Kapitalismus“ als innere Disposition einer leistungsorientierten Gesellschaft und als ethisches Fundament der Wirtschaftsordnung. Er schreibt, dass sich durchaus eine Kausalbeziehung herstellen lasse zwischen dem Nachwirken und der Reproduktion der DDR-Sozialisation und den ökonomischen Fakten auf der einen Seite und dem wirtschaftlichen Misserfolg in Ostdeutschland auf der anderen Seite. In welchem Verhältnis gesellschaftliche Prägung und Wirtschaftsdaten zueinander stehen, lässt er allerdings offen. Aber auch wenn sich mit kulturellen Fragen nicht alles klären lasse, zeige seine Studie, „dass im Hinblick auf die Transformation so etwas wie eine Minimalmoral zwingend notwendig ist.“ (248) Deshalb warnt Böhmer die Ostdeutschen vor einer „Rebellion im Sinne eines ‚Trägheitsstreiks’“ (252). So theoretisch wie diese Studie begonnen hat, so pragmatisch bzw. hilflos endet sie: „Ansonsten gibt es eigentlich keinen anderen Ausweg, als den Menschen gegenüber einzugestehen, dass Erwerbslosigkeit auch als Chance für Entspannung, Kreativität und freiwillige Bildung zu begreifen ist.“ (259/260) Weber wäre von diesem Fazit sicher wenig begeistert.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.352.32.3152.325 Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Robert Böhmer: Der Geist des Kapitalismus und der Aufbau Ost. Dresden: 2005, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/25878-der-geist-des-kapitalismus-und-der-aufbau-ost_30042, veröffentlicht am 25.06.2007. Buch-Nr.: 30042 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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