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/ 28.05.2015
Martin Beischl

Die Europapolitik kroatischer Parteien. Leitbilder, Prioritäten, Entwicklungsperspektiven

Wiesbaden: Harrassowitz Verlag 2014 (Forschungen zu Südosteuropa 9); X, 332 S.; brosch., 68,- €; ISBN 978-3-447-10198-1
Politikwiss. Diss. Jena; Begutachtung: O. Leiße. – Wie viel „inhaltliche Tiefe und welche differenzierten Ideen“ (3) stehen hinter dem pro‑europäischen Kurs nahezu aller maßgeblichen kroatischen Parteien? Martin Beischl widmet sich in seiner Untersuchung den im Sabor, dem nationalen Parlament Kroatiens, in zwei Legislaturperioden (2003‑2007 und 2007‑2011) vertretenen Parteien. Zwei Parteien, denen es nach Meinung des Autors geglückt ist, sich von ihrer autoritären Vergangenheit zu distanzieren und sich in der politischen Mitte zu positionieren, dominierten das Parteiensystem. Die Kroatische Demokratische Gemeinschaft (Hrvatska Demokratska Zajednica, HDZ) habe die Abkehr vom radikal‑nationalistischen Kurs ihres Ex‑Vorsitzenden Franjo Tu?man geschafft und stelle sich heute als „moderne, christdemokratische Volkspartei“ (70) dar. Der Sozialdemokratischen Partei Kroatiens (Socijaldemokratska partija Hrvatske, SDP) sei es gelungen, seit Ende der 1990er‑Jahre als Regierungsalternative wahrgenommen zu werden und sich als Gegengewicht zur HDZ zu etablieren. Welche Vorstellungen haben diese und weitere Parteien Kroatiens vom „gewünschten Endzustand der europäischen Integration“, ihrer „finalité“ (14)? Beischl beantwortet diese Frage mithilfe einer qualitativen Inhaltsanalyse, die sich an den Methoden von Markus Jachtenfuchs und Holger Münch orientiert. Aus der Fülle der von der HDZ artikulierten europapolitischen Ideen destilliert er ein Leitbild, „welches langfristig die zentrale Rolle der souveränen Nationalstaaten im europäischen Einigungsprozess stärken will und somit ein deutliches Maß an Reserviertheit bezüglich supranationaler Tendenzen aufweist“ (129). Das von ihr vertretene Leitbild lasse sich als „subsidiäre Föderation von Nationalstaaten“ bezeichnen, weshalb der Autor von einer „reservierten Zustimmung zum Status quo der europäischen Integration“ (275) spricht. Anders verhalte es sich bei der SDP, die einem „supranational orientierten“ (252) Leitbild folge. Eine Grenze setze sie allenfalls dann, wenn sie die nationale Identität Kroatiens bedroht sehe. Insgesamt bleibe den kroatischen Parteien nur ein geringer Spielraum zur Formulierung eigener europapolitscher Ideen, denn die EU‑Mitgliedschaft erscheine angesichts der wirtschaftlichen Vorteile für Kroatien als alternativlos. So sei es nicht verwunderlich, dass die Mehrheit der kroatischen Parteien „eine dezidiert integrationsfreundliche Position innerhalb des föderalen europapolitischen Mainstreams“ (289) einnehme. Dennoch werden sowohl von rechten als auch linken Parteien euroskeptische Positionen vertreten.
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Rubrizierung: 3.72.222.61 Empfohlene Zitierweise: Sabine Steppat, Rezension zu: Martin Beischl: Die Europapolitik kroatischer Parteien. Wiesbaden: 2014, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/38459-die-europapolitik-kroatischer-parteien_46234, veröffentlicht am 28.05.2015. Buch-Nr.: 46234 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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