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/ 22.06.2013
Andreas Wagner

Die Geschichte der niederländischen Christdemokraten von Lubbers bis Balkenende

Marburg: Tectum Verlag 2011 (Politikwissenschaften 39); 124 S.; 24,90 €; ISBN 978-3-8288-2597-0
In den 90er-Jahren führte der demografische Wandel – einhergehend mit einer Internationalisierung und Individualisierung der Gesellschaft – zu strukturellen Veränderungen in der Bevölkerung der Niederlande. Der niederländische Christdemokratische Appell (CDA) verlor deshalb 1994 seine Macht, konnte sich dann aber 2002 erneut als stärkste politische Kraft behaupten. Diese Zeit des ideologischen Umbruchs und der politischen Opposition steht im Zentrum der Untersuchung. Der Autor fragt, wie es dem CDA gelang, trotz des für ihn nachteiligen strukturellen Wandels die Macht zurückzuerobern. Er analysiert die innerparteilichen Reformen und programmatischen Veränderungen aus der Perspektive von Arend Lijpharts Theorie einer akteurszentrierten Säulenpolitik. Als wichtige Grundlage für die politische Öffnung des CDA hebt Wagner Lubbers erfolgreiche Strategie der Zusammenstellung der Regierungsmannschaft nach einem protestantisch-katholischen Proporzsystem hervor. Balkenende habe dann über den konfessionellen Proporz hinaus noch einen Verteilerschlüssel eingeführt, mit dem unterlegene Gegenkandidaten mit Ministerposten und vorderen Listenplätzen begünstigt wurden. Der Autor schreibt Balkenende das Verdienst zu, die Partei erfolgreich synchronisiert, Konflikte eingeebnet und zwischen traditionellen Kernwählerschaften und neuen Wählerschichten erfolgreich moderiert zu haben. Damit habe er es geschafft, aus der größten Führungskrise der Partei heraus eine programmatische Neuausrichtung vorzunehmen. Wagner hebt hervor, dass es Balkenende darüber hinaus auch gelungen sei, als Person für eine Versachlichung der niederländischen Politik zu stehen und sich parteiübergreifend als Führungsfigur zu etablieren. Dies sei nicht zuletzt deshalb gelungen, weil er sich durch seine Jugend positiv von den ergrauten Kontrahenten abgehoben und so die Forderung nach einem politischen Neuanfang unterstrichen habe.
Marinke Gindullis (MG)
Politikwissenschaftlerin.
Rubrizierung: 2.612.22 Empfohlene Zitierweise: Marinke Gindullis, Rezension zu: Andreas Wagner: Die Geschichte der niederländischen Christdemokraten von Lubbers bis Balkenende Marburg: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/33886-die-geschichte-der-niederlaendischen-christdemokraten-von-lubbers-bis-balkenende_40604, veröffentlicht am 30.06.2011. Buch-Nr.: 40604 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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