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/ 21.06.2013
Johannes Krause

Die Grenzen Europas. Von der Geburt des Territorialstaats zum Europäischen Grenzregime

Frankfurt a. M. u. a.: Peter Lang 2009 (Europäische Hochschulschriften: Reihe XXXI, Politikwissenschaft 574); 420 S.; brosch., 59,80 €; ISBN 978-3-631-59209-0
Diss. Leipzig; Gutachter: K.-G. Giesen. – Den Ausgangspunkt für die Arbeit bildet die Feststellung, dass an den Außengrenzen der Europäischen Union jedes Jahr Tausende irregulärer Migranten sterben. Diese Todesfälle gelten als tragische Konsequenz des Versuchs, illegal das europäische Territorium zu betreten. Wie kommt es, dass es ein europäisches Territorium mit europäischen Außengrenzen gibt, deren Überschreitung für bestimmte Menschen illegal sein kann? „Wie wird die Vorstellung einer territorialen Einheit Europas mit gesicherten Außengrenzen zum normalen Bestandteil der sozialen Wirklichkeit?“ (346) Um diese Frage zu beantworten, zeichnet Krause die historische Entwicklung der territorialen Staatlichkeit nach und untersucht die medialen, kartografischen und sozialwissenschaftlichen Diskurse, durch die territorialstaatliches Denken reproduziert und normalisiert wird. Ferner analysiert er, wie gegenwärtig das Territorialitätsprinzip auf die europäische Ebene übertragen wird. Konkret nimmt Krause die südlichen Außengrenzen der EU in den Blick und beschreibt das dortige Grenzregime. Aus Sicht der EU werde dort die Integrität des eigenen Territoriums verteidigt, sodass Grenzüberschreitungen als Angriffe betrachtet und die Todesopfer in diesem Verteidigungskampf zwar bedauert, jedoch im Sinne eines normalisierten Verständnisses von europäisierter Territorialität als „‚normal’“ (351) angesehen würden. Die Suche nach den Grenzen Europas erfülle eine wichtige Funktion: Sie trage dazu bei, die Vorstellung einer politisch-kulturellen Einheit Europas im öffentlichen Bewusstsein zu verankern und fördere den Prozess der Etablierung einer europäischen Identität. Das EU-Grenzregime konkretisiere also „die institutionelle Existenz Europas als Territorium“, mache es als „territoriale Einheit greifbar und zum offensichtlichen Faktum der Realität“ (351). Die EU etabliere sich zwar einerseits als normale politisch-territoriale Einheit und grenze sich nach außen ab, andererseits würden ihre Grenzen jedoch ambivalent und unscharf bleiben; die entstehende Territorialität Europas trage postmoderne Züge, lautet das Resümee.
Sabine Steppat (STE)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 3.1 Empfohlene Zitierweise: Sabine Steppat, Rezension zu: Johannes Krause: Die Grenzen Europas. Frankfurt a. M. u. a.: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/31096-die-grenzen-europas_36972, veröffentlicht am 11.11.2009. Buch-Nr.: 36972 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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