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/ 17.07.2013
Katrin Schwarzburg

Die Menschenwürde im Recht der Europäischen Union

Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2012 (Europäisches Recht, Politik und Wirtschaft 364); 463 S.; brosch., 109,- €; ISBN 978-3-8329-7092-5
Diss. Freiburg; Begutachtung: J. Schwarze, J. Becker. – Welche Bedeutung hat das in Artikel 1 der EU‑Grundrechtecharta verankerte Bekenntnis zur unantastbaren Würde des Menschen für eine im Kern wirtschaftlich ausgerichtete Gemeinschaft? Und wie kann in einer Union aus 28 Mitgliedstaaten mit unterschiedlichen historischen und weltanschaulichen Hintergründen eine Norm definiert werden, die wie kaum eine andere von außerrechtlichen Vorstellungen geprägt ist? Anhand der Rechtsprechung der europäischen Gerichte, der Charta, des Sekundärrechts sowie vergleichender Betrachtungen zum deutschen, französischen und britischen Recht analysiert Katrin Schwarzburg Inhalt und Wirkungsweise der europäischen Menschenwürdenorm. Dabei widmet sie sich der Frage, wie sich ein Menschenwürdekern des Rechts auf Selbstbestimmung oder auf Sicherung eines Existenzminimums bestimmen lässt, und welche Bedeutung die Norm für die Verbote der Folter oder der Kommerzialisierung des menschlichen Körpers besitzt. Mit Blick auf zunehmende EU‑Regelungen im Bereich biomedizinischer Forschung geht es um die Fragen, inwieweit auch die Bewahrung einer natürlichen Entwicklung des Menschen von der Würdenorm umfasst ist, und welches Schutzkonzept sich für vorgeburtliches Leben abzeichnet. Schwarzburg formuliert abschließend, dass sich die EU auf den Wert der Menschenwürde gründet und die Organe der Union „in ihrem gesamten hoheitlichen Handeln bindet“ (428). Die Menschenwürde gelte im Unionsrecht „absolut“ (433). Sie sei als „Begriff des Unionsrechts autonom auszulegen und so zu konkretisieren, dass sie für jede Ausübung hoheitlicher Gewalt einen hinreichend präzisen Maßstab“ bilde und einen „unionsangemessenen ‚hohen‘ Schutzstandard“ gewährleiste. Zugleich sei die Menschenwürdenorm als „europäischer ‚Rahmenbegriff‘ für unterschiedliche mitgliedstaatliche Interpretationen“ (435) offen.
Sabine Steppat (STE)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 3.13.2 Empfohlene Zitierweise: Sabine Steppat, Rezension zu: Katrin Schwarzburg: Die Menschenwürde im Recht der Europäischen Union Baden-Baden: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/35977-die-menschenwuerde-im-recht-der-europaeischen-union_43270, veröffentlicht am 17.07.2013. Buch-Nr.: 43270 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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