/ 05.06.2013
Matthias Fritton
Die Rhetorik der Deutschlandpolitik. Eine Untersuchung deutschlandpolitischer Rhetorik der Regierungen der Bundesrepublik Deutschland unter besonderer Berücksichtigung von Reden anläßlich des Gedenkens an den 17. Juni 1953
Stuttgart: M & P Verlag für Wissenschaft und Forschung 1998; 357 S.; kart., 65,- DM; ISBN 3-476-45198-4Diss. Tübingen; Erstgutachter: G. Ueding. - Fritton untersucht die Rolle zentraler Begrifflichkeiten und Argumentationsmuster für die bundesrepublikanische Deutschlandpolitik. Die in den Mittelpunkt gerückten Reden zum 17. Juni reichen zu einer umfassenden Analyse jedoch nicht aus, weshalb Fritton auch deutschlandpolitische Reden aus anderem Zusammenhang mit einbezieht. Dabei vernachlässigt er jedoch die durch Anlaß und Adressatenkreis vorgegebenen Unterschiede etwa zwischen einer Rede des Bundespräsidenten auf dem Kirchentag und einer Regierungserklärung des Bundeskanzlers. Auch dürfte es fraglich sein, ob sich anhand einer einzigen Rede Erhard Epplers die deutschlandpolitische Position der Opposition in den Jahren 1987 bis 1989 belegen läßt. Einige Differenzierungen geraten dadurch aus dem Blick. So vollzog Kohl keine "Wiedereinführung des Berichts zur Lage der Nation am 17. Juni jeden Jahres" (283). Der neue Akzent lag vielmehr auf der Wiederaufnahme des ursprünglichen Titels "Bericht zur Lage der Nation im geteilten Deutschland", den Brandt und Schmidt verkürzt hatten (eine terminliche Bindung an den 17. Juni gab es nicht). Gleichwohl gelingt Fritton eine überzeugende Darstellung von Kontinuität und Wandel der wesentlichen deutschlandpolitischen Begriffe (Einheit, Nation, Entspannung, Frieden etc.). Die plausible Phaseneinteilung orientiert sich dabei nicht ausschließlich an Regierungswechseln. Deutlich werden Wellenbewegungen der Rhetorik, die sprachliche Änderungen durch Regierungswechsel eben nicht als punktuelles Ereignis, sondern als Vollzug eines sich schon zuvor abzeichnenden Trends deuten. So entsprangen die neuen Ansätze bei Brandt und Kohl auch den Abnutzungserscheinungen der Rhetorik ihrer Amtsvorgänger.
Aus dem Inhalt: I. Topik und Politik; II. Freiheits-Rhetorik - 1953 bis 1963; III. Annäherungsrhetorik zwischen Adenauer und Brandt - 1964 bis 1969; IV. Friedens-Rhetorik - 1969 bis 1977; V. Rhetorik enttäuschter Hoffnungen - 1978 bis 1982; VI. Rhetorik der Rückbesinnung - 1983 bis 1986; VII. Rhetorik der neuen Dynamik - 1987 bis 1989.
Manuel Fröhlich (MF)
Prof. Dr., Juniorprofessur für Politikwissenschaft, Universität Jena (www.manuel-froehlich.de).
Rubrizierung: 2.313 | 2.24 | 2.23
Empfohlene Zitierweise: Manuel Fröhlich, Rezension zu: Matthias Fritton: Die Rhetorik der Deutschlandpolitik. Stuttgart: 1998, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/6541-die-rhetorik-der-deutschlandpolitik_8862, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 8862
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Prof. Dr., Juniorprofessur für Politikwissenschaft, Universität Jena (www.manuel-froehlich.de).
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