/ 12.06.2013
Cornelia Koppetsch
Die Wiederkehr der Konformität. Streifzüge durch die gefährdete Mitte
Frankfurt a. M./New York: Campus Verlag 2013; 200 S.; kart., 19,90 €; ISBN 978-3-593-39902-7Die Soziologin Cornelia Koppetsch konstatiert in ihrer essayistischen Gesellschaftsanalyse eine Rückkehr von konservativen Werten. Die Mittelschicht, zu der noch immer die Mehrheit der Bevölkerung objektiv wie subjektiv gehöre, sei stark verunsichert, klassische Lebensläufe (Ausbildung – Arbeit – Familie – Rente) würden als gefährdet empfunden und eine kollektive Erfahrung der Prekarisierung und Verwundbarkeit habe sich etabliert. Dabei werde von vielen die Zugehörigkeit zur Gesellschaft infrage gestellt. Die Autorin zeichnet eine Gesellschaft, in der alle Lebensbereiche auf ihre wirtschaftlichen Komponenten hin durchleuchtet und in der alle Arbeits‑ und Lebensformen als Projekte ausgerichtet sind. Menschen sehnten sich daher zunehmend nach Einhegung, Rückzug und Bindung. Mit dem Rückzug auf traditionelle Werte versuche sich der Einzelne die verloren geglaubte Sicherheit und Verlässlichkeit zurückzuholen – die Wiederkehr der Konformität sei nichts anderes als die Rückkehr von Orientierungen, die längst als überwunden oder konservativ galten. Koppetsch sieht in diesen Haltungen keinesfalls den Ausdruck von Feigheit, sondern vielmehr eine Form des Umgangs mit einem Verlust an Autonomie aufgrund einer Anpassung an die allgegenwärtigen Herausforderungen des Marktes. Die Mittelschicht gebe dabei die Normen vor – deren Ängste seien sowohl Spiegelbild als auch Ausdruck der Haltungen einer in Gänze verunsicherten Gesellschaft. Die Mittelschicht absorbiere diese Ängste und intensiviere ihr Bestreben nach Verteidigung von Besitzständen und Machtvorsprüngen (gegenüber anderen Gesellschaftsschichten). Koppetsch präsentiert eine anregende Gesellschaftsstudie, angereichert von Fallstudien, mit deren Hilfe sie Geschlechterverhältnisse unterschiedlicher Generationen miteinander vergleicht. Abschließend zeigt sie auf, wie sich gesellschaftliche Spielregeln ändern, welche Akteure dabei Macht und Herrschaft ausüben und wie sich eine neue Kultur, in der alternative Gesellschaftsentwürfe verhandelt werden, entwickeln könnte.
Oliver Trede (OT)
Dr. phil., Historiker/Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 2.3 | 2.35 | 2.342 | 2.36
Empfohlene Zitierweise: Oliver Trede, Rezension zu: Cornelia Koppetsch: Die Wiederkehr der Konformität. Frankfurt a. M./New York: 2013, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/14564-die-wiederkehr-der-konformitaet_43789, veröffentlicht am 05.06.2013.
Buch-Nr.: 43789
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Dr. phil., Historiker/Politikwissenschaftler.
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