/ 22.06.2013
Jan Drees Kuhnen
Die Zukunft der Nationen in Europa. Ist das Zeitalter der Nationen und Nationalstaaten in Europa vorüber?
Berlin: Duncker & Humblot 2009 (Schriften zum Europäischen Recht 145); 298 S.; 74,- €; ISBN 978-3-428-13146-4Rechtswiss. Diss. Würzburg; Gutachter: F. Wittreck, S. Schmahl. – Kuhnen zielt mit seiner Arbeit auf die Bestimmung der Rolle von Nationen in Europa. Er kommt zu dem Ergebnis, dass Nationalstaaten bis auf Weiteres die Basis des vereinten Europas bilden werden. In einem ersten Abschnitt verfolgt er die Entstehung des Begriffs der Nation und seine Bedeutungsveränderungen seit dem Mittelalter. Er folgt bei der weiteren Ausarbeitung des Nationsbegriffs Arbeiten von Karl Renner und Otto Bauer und stellt sodann Versuche vor, den Nationalstaat in Richtung eines Weltstaates zu öffnen. Eine besondere Rolle bei der Öffnung spiele die Identität. Um das legitimatorische Potenzial der Identität zu klären, nimmt er im Anschluss die Nation als rechtliche Grundlage des Verfassungsstaates in den Blick. Kuhnen verfolgt seine Hypothese überblicksartig anhand der Entwicklung der deutschen Staatsangehörigkeit vom 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Er konfrontiert dabei den Staats- mit seinem eigenen entwickelten Nationsbegriff. Die kulturelle Homogenität sei für die Stabilität eines Staates von großer Bedeutung. Zu deren Aufrechterhaltung schlägt Kuhnen vor, die Staatsangehörigkeit von der bloßen Staatszugehörigkeit zu unterscheiden. Letztere solle einen Anreiz für in Deutschland lebende Migranten bieten, sich zu integrieren. Außerdem solle dieser Vorschlag helfen, die nationalstaatliche Form der Bundesrepublik in der Europäischen Union zu bewahren. Kuhnen kündigt eine breitgefasste Aktualisierung verfassungspolitischer Argumente und soziologische Erkenntnisse an. Gerade was dies angeht, fällt auf, dass der Autor jene Möglichkeiten außer Acht lässt, die durch eine Konzeption der EU als Netzwerk- und Mehrebenensystem entstehen. Danach ist es eben nicht der Nationalstaat, der die Basis Europas bildet, sondern die Nationalstaaten. Die Summe wäre solcherart doch mehr als die einzelnen Teile.
Jens Wassenhoven (JWN)
Dipl.-Kfm., Dr., Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 5.41 | 3.1 | 2.32
Empfohlene Zitierweise: Jens Wassenhoven, Rezension zu: Jan Drees Kuhnen: Die Zukunft der Nationen in Europa. Berlin: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/31929-die-zukunft-der-nationen-in-europa_38076, veröffentlicht am 10.03.2010.
Buch-Nr.: 38076
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Dipl.-Kfm., Dr., Politikwissenschaftler.
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