/ 18.06.2013
Helmut König
Die Zukunft der Vergangenheit. Der Nationalsozialismus im politischen Bewußtsein der Bundesrepublik
Frankfurt a. M.: Fischer Taschenbuch Verlag 2003; 192 S.; 12,90 €; ISBN 3-596-15715-3Der Aachener Professor König versteht sein Buch als „ein Essay über die Bedeutung, die der Nationalsozialismus im politischen Bewußtsein der Bundesrepublik spielt" (7). Geschrieben hat er es auf der Grundlage von bereits erschienenen Aufsätzen, die noch einmal überarbeitet wurden. König geht davon aus, dass „das politische Bewußtsein der Bundesrepublik von Anfang an zentral durch den negativen Bezug auf die NS-Vergangenheit bestimmt ist" (11), wobei er vier Phasen unterscheidet: die Nachkriegszeit, die Fünfzigerjahre, die „lange Welle" zwischen 1960 und 1990 und die neue Bundesrepublik. Nach einer Analyse, auf welche Art und Weise in jeder dieser Phasen im öffentlichen Bewusstsein mit der nationalsozialistischen Vergangenheit umgegangen wurde, kommt König zu der Beobachtung, dass „seit Beginn der 90er Jahre der Bezug auf die NS-Vergangenheit als Kommunikationsproblem erscheint und nicht mehr als Entscheidungsproblem" (143). Obwohl die Erinnerung nach wie vor einen zentralen Platz in der politischen Kultur einnehme, sei der Nationalsozialismus zu einem geschichtlichen Ereignis geworden und diene - schon aufgrund des Generationswechsels - immer weniger als richtungsweisendes Element politischer Entscheidungen. König beendet seine Analyse mit systematischen Überlegungen zur Vergangenheitsbewältigung. Da deren Ziel darin bestehe, „eine Wiederholung der Vergangenheit unmöglich zu machen und einen wirklichen politischen Neubeginn herbeizuführen" (173), lasse sie sich auf andere politische Systemwechsel übertragen. König schlüsselt diesen Prozess hinsichtlich der Wege, der politischen Ebenen und der Akteure auf. Die rechtsstaatlich gebundenen Versuche, die Macht der Vergangenheit klein zu halten, seien nicht nur rationaler, sondern auch erfolgreicher als eine "wirkliche" Revolution.
Aus dem Inhalt: II. Die 90er Jahre: 2. Deutsche Einheit und deutsche Vergangenheit; 3. Rückwirkungsverbote; 4. Der Fall Schneider/Schwerte; 5. Goldhagen und die Deutschen; 6. Die Berliner Republik oder Die Zukunft der NS-Vergangenheit.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.35 | 2.315 | 2.23
Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Helmut König: Die Zukunft der Vergangenheit. Frankfurt a. M.: 2003, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/18059-die-zukunft-der-vergangenheit_20849, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 20849
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Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
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