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/ 21.06.2013
Gerhard Schröder

Entscheidungen. Mein Leben in der Politik

Hamburg: Hoffmann und Campe 2006; 544 S.; geb., 25,- €; ISBN 978-3-455-50014-1
Im Mittelpunkt dieser Autobiografie stehen Schröders Amtszeit als Bundeskanzler, seine Absichten und Entscheidungen, selten auch seine Fehleinschätzungen und Versäumnisse. Während die Schilderungen von Kindheit und Jugend noch den Menschen Schröder erkennen lassen, sind die der Zeit als Politiker zum Rechenschaftsbericht geraten und lesen sich entsprechend langweilig. Fast endlos werden Weggefährten erwähnt und ihnen gedankt, man fühlt sich doch stark an das Muster der Autobiografie des ehemaligen US-Präsidenten Bill Clinton erinnert, an der sich Schröder (oder vielmehr sein ehemaliger langjähriger Regierungssprecher Uwe-Karsten Heye, der durchaus schön erzählen kann) erkennbar orientiert hat. Diese Rekapitulation ist in langen Erzählschleifen aufgebaut, was sich zwar kurzweiliger als eine rein chronologische Darstellung liest. Bedauerlich aber ist, dass die Entscheidungsprozesse im Bundeskanzleramt nicht deutlicher als schon bekannt werden, gerne hätte man wenigstens nachträglich hinter die Kulissen geblickt. So aber bleibt es bei der altbekannten Darstellung des Gewesenen. Ärgerlich ist die Darstellung der russischen Innenpolitik. Putin habe „so etwas wie Rechtssicherheit geschaffen“ (464) heißt es lobend – darüber ließe sich sicher streiten. „In meinem Blick zurück auf sieben Jahre Kanzlerzeit wollte ich ganz und gar nicht buchhalterisch sein“ (507), schreibt Schröder abschließend. Aber genau das ist passiert. Leidenschaft liest sich anders.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.32.3152.3222.3312.342 Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Gerhard Schröder: Entscheidungen. Hamburg: 2006, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/26793-entscheidungen_31256, veröffentlicht am 16.08.2007. Buch-Nr.: 31256 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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