/ 21.06.2013
Achim Trunk
Europa, ein Ausweg. Politische Eliten und europäische Identität in den 1950er Jahren
München/Wien: R. Oldenbourg Verlag 2007 (Studien zur Internationalen Geschichte 18); 387 S.; geb., 49,80 €; ISBN 978-3-486-58187-4Geschichtswiss. Diss. Köln; Gutachter: J. Dülffer, W. Schieder. – Der Weg, den die europäische Integration gegangen ist, war in den fünfziger Jahren keineswegs vorgegeben. Eine Zwangsläufigkeit in Richtung auf eine immer tiefere Integration von immer mehr Ländern ist nur in der Rückschau zu konstruieren. Trunk will hingegen die Entwicklungsspielräume deutlich machen, die bis zum Abschluss der Römischen Verträge herrschten. Er kombiniert dazu das aus der Kulturwissenschaft stammende Konzept der kollektiven Identitäten mit einer politikhistorischen Herangehensweise. Konkret hat er die Aussagen von ca. 600 Politikern untersucht, die in parlamentarischen Versammlungen miteinander über europäische Fragen diskutierten. Es ging ihm darum, deren Vorstellungen von europäischer Identität herauszukristallisieren, ob sie sich überhaupt als Europäer verstanden und welche Bedeutung demgegenüber den Vorstellungen von nationaler Zugehörigkeit beizumessen ist. Die Selbstbilder dieser politischen Eliten werden dabei einmal als Hinweise auf verbreitete Selbstbilder als Europäer und einmal als Hinweise auf mögliche Entwicklungswege Europas in der damaligen Zeit genommen. Trunk zeigt, dass sich in der ersten Hälfte der fünfziger Jahre tatsächlich eine Vorstellung von einer europäischen Identität nachweisen lässt. Sie gründete jedoch stärker auf Abgrenzung nach außen als auf einem klaren Bild von spezifisch europäischen Eigenschaften. Nicht zuletzt die sprachliche und kulturelle Heterogenität Europas standen dem entgegen. „Für die Entwicklungsmöglichkeiten der Europäischen Union in ihrer frühen Phase war nicht nur eine europäische Identität von Bedeutung; weit wichtiger ist die Frage, welche Möglichkeiten der Integration die nationalen Identitäten zuließen.“ (320) Dieser Faktor spielt auch heute noch eine große Rolle, wie Trunk in seinem Schlusswort mithilfe verschiedener Umfragen deutlich macht.
Walter Rösch (WR)
M. A., Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 3.1 | 3.4
Empfohlene Zitierweise: Walter Rösch, Rezension zu: Achim Trunk: Europa, ein Ausweg. München/Wien: 2007, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/27536-europa-ein-ausweg_32297, veröffentlicht am 20.08.2008.
Buch-Nr.: 32297
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M. A., Politikwissenschaftler.
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