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/ 06.06.2013
Volker Ebert / Phillip-Alexander Harter

Europa ohne Fahrplan? Anfänge und Entwicklung der gemeinsamen Verkehrspolitik in der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (1957-1985)

Stuttgart: Franz Steiner Verlag 2010 (Vierteljahrschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte. Beihefte 211); 278 S.; 52,- €; ISBN 978-3-515-09693-5
Aus wirtschaftshistorischer Perspektive beschreiben Ebert und Harter die Anfänge der gemeinsamen europäischen Verkehrspolitik und analysieren, warum der Binnenverkehr lange Zeit ein „Stiefkind" (5) der europäischen Integration blieb. In den Römischen Verträgen haben die Mitgliedstaaten der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft dem Transportwesen zwar eine vitale Rolle für den Binnenmarkt zugewiesen, aber dennoch seien die Vorschläge der Kommission für ein verkehrspolitisches Gesamtkonzept bis in die 80er-Jahre zwischen markt- und gemeinwirtschaftlichen Interessen weitgehend aufgerieben worden. Im Zentrum des Interesses steht die Entwicklung des Gemeinschaftsrechts der Verkehrsmarktordnungs- und der Verkehrsinfrastrukturpolitik von der Unterzeichnung der Römischen Verträge bis zum Urteil des EuGH gegen den Rat im Mai 1985. Darin kritisierten die Richter, dass bis zu dem Zeitpunkt kein homogener Verkehrsmarkt entstanden war, sondern lediglich ein Verbund von nationalen Verkehrsmärkten existierte. Die Autoren konzentrieren sich vornehmlich auf die Verkehrsträger Schiene und Straße, die Binnenschifffahrt wird nur am Rande thematisiert. Sie beginnen mit einer Darlegung der verkehrsökonomischen Problematik, der verkehrspolitischen Präferenzen und Traditionen der Mitgliedstaaten sowie der im EWG-Vertrag vereinbarten Ziele. Analysiert werden die politischen Entscheidungsprozesse sowie die unterschiedlichen Traditionen und Konzeptionen der Mitgliedstaaten. Als Gründe für die geringen Fortschritte in der Verkehrspolitik identifizieren sie einerseits die großen Unterschiede der verkehrspolitischen Konzepte, etwa die unüberbrückbaren Differenzen in der Wegekostenproblematik, andererseits die zu idealistischen Vorschläge in diesem Bereich, die den Rahmen des Realisierbaren oft überschritten. Jedenfalls, so Ebert und Harter, habe die Kommission mit ihrem kontinuierlichen Drängen nach Veränderung ihre vertraglich vorgesehene Aufgabe als Motor der Gemeinschaftspolitik erfüllt. Die Tatsache, dass es in allen Ländern der EWG zu einem Niedergang des Schienenverkehrs und zum gleichzeitigen Aufschwung des Straßenverkehrs kam, sei eine Folge der Nichtumsetzung einer gemeinsamen Verkehrspolitik gewesen.
Sabine Steppat (STE)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 3.53.1 Empfohlene Zitierweise: Sabine Steppat, Rezension zu: Volker Ebert / Phillip-Alexander Harter: Europa ohne Fahrplan? Stuttgart: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/9136-europa-ohne-fahrplan_39302, veröffentlicht am 02.02.2011. Buch-Nr.: 39302 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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