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/ 05.06.2013
Wolfgang Kowalsky

Europäische Sozialpolitik. Ausgangsbedingungen, Antriebskräfte und Entwicklungspotentiale

Opladen: Leske + Budrich 1999 (Grundlagen für Europa 4); 447 S.; kart., 80,- DM; ISBN 3-8100-2325-6
Der Prozeß der europäischen Integration wird bisher von den ökonomischen und administrativen Eliten dominiert; nicht zuletzt aus diesen Gründen nimmt das Ziel einer eigenständigen europäischen Sozialpolitik hinter den Großprojekten der Währungsunion und Osterweiterung offensichtlich einen nachgeordneten Rang ein. Vor diesem Hintergrund eine sehr detaillierte Bestandsaufnahme der gemeinschaftlichen Sozialpolitik mit Blick auf die Frage vorzunehmen, "ob und wie sich der europäische Integrationsprozeß zu einem Staatswerdungsprozeß verdichtet" (19), kann leicht auf den Einwand eines bloßen Normativismus stoßen. Kowalsky ist sich dieser Gefahr bewußt und bemüht sich deshalb - mit Blick auf den aktuellen Forschungsstand - um eine ausführliche Darstellung seiner analytischen Mittel (28 ff.). Die materiale Analyse der Sozialpolitik der EG/EU selbst erfolgt in drei Schritten: zunächst und ausführlich anhand zentraler legislativer Aktivitäten (57 ff.), danach werden - freilich auf knappem Raum - redistributive Initiativen im Bereich der Sozialfonds und der Agrarpolitik (239 ff.) und schließlich die kollektivvertraglichen Handlungsmöglichkeiten der Sozialverbände behandelt (257 ff.). Die Studie schließt mit einem anregenden - nach Akteuren, Arenen und Strategien differenzierendem - Ausblick auf Entwicklungsperspektiven einer transnationalstaatlichen Sozialpolitik (293 ff.). Inhaltsübersicht: 2. Gemeinschaftliche Sozialpolitik: legislative Aktivitäten: 2.1 Der EWG-Vertrag 1957/58: Von der Konstitution der Nachrangigkeit europäischer Sozialpolitik zur Realisierung der Freizügigkeit; 2.2 Einheitliche Europäische Akte (EEA) 1986/87: Qualifizierte Mehrheitsentscheidung und Einbeziehung der Sozialkontrahenten; 2.3 Maastrichter "opting in": Protokoll und Abkommen über die Sozialpolitik 1991/92; 2.4 Amsterdamer Vertrag 1997/98: Reintegration des Maastrichter Sozialprotokolls. 3. Gemeinschaftliche Sozialpolitik: redistributive Aktivitäten: 3.1 Europäischer Sozialfonds: Sozialpolitisches Handlungs- und Umverteilungsinstrumentarium; 3.2 Regulierung und dirigistische Gestaltung im Agrarsektor. 4. Gemeinschaftliche Sozialpolitik: Wege zu kollektivvertraglichen Aktivitäten. 4.1 Funktion und historische Entwicklung des europäischen Sozialdialogs bis zum Maastrichter Sozialprotokoll; 4.2 Grundvoraussetzungen, Entwicklungsmöglichkeiten und Grenzen europäischer Kollektivvertragsbeziehungen. 5. Gemeinschaftliche Sozialpolitik in der Europäischen Währungsunion. 5.1 Der europäische Sozialraum; 5.2 Methoden und Ziele gemeinschaftlicher Sozialpolitik; 5.3 Perspektiven gemeinschaftlicher Sozialpolitik: Trends und Ausblick. Anhang I: Literaturüberblick zur gemeinschaftlichen Sozialpolitik; Anhang II: Sozialpolitisches Begriffsrepertoire der Gemeinschaft.
Thomas Mirbach (Mir)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 3.5 Empfohlene Zitierweise: Thomas Mirbach, Rezension zu: Wolfgang Kowalsky: Europäische Sozialpolitik. Opladen: 1999, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/8436-europaeische-sozialpolitik_11124, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 11124 Rezension drucken
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