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/ 17.06.2013
Martin Kronauer

Exklusion. Die Gefährdung des Sozialen im hoch entwickelten Kapitalismus

Frankfurt a. M./New York: Campus Verlag 2002; 252 S.; kart., 19,90 €; ISBN 3-593-37049-2
Habilitationsschrift Göttingen. - Unübersehbar ist in der neueren Diskussion über Armut der klassische, primär auf Einkommen abstellende Begriff durch den der (sozialen) Exklusion nahezu gänzlich ersetzt worden. Dies gilt sowohl für sozialwissenschaftliche Ansätze - etwa im Umkreis von Untersuchungen zur sozialen Ungleichheit - als auch für die Ebene politischer Programme und hier hat vor allem die Europäische Kommission, die mit etlichen Programmen die Bekämpfung von Exklusion unterstützt, viel zu einem veränderten Verständnis von Armut beigetragen. Denn - so argumentiert Kronauer plausibel - der Begriffswechsel verweist auf eine relativ neue sozialstrukturelle Erfahrung moderner, wohlfahrtsstaatlich organisierter Gesellschaften. Die ökonomische Dynamik erzeugt nämlich mit Phänomenen wie anhaltender Arbeitslosigkeit und Verarmung Formen gesellschaftlicher Spaltung, mit denen sich die traditionelle soziale Frage auf "neue und zugespitzte Weise als Problem der Teilhabe an (bzw. des Ausschlusses von) den gesellschaftlich realisierten Möglichkeiten des Lebensstandards, der politischen Einflussnahme und der sozialen Anerkennung" stellt (11). Der Autor zeichnet in seiner eingängig geschriebenen Studie einerseits die Entwicklungen des Exklusionskonzepts nach - dazu gehört die Auseinandersetzung mit der amerikanischen (z. B. Wilson) und der französischen (z. B. Castel, Paugam) ebenso wie der systemtheoretischen Debatte. Andererseits geht es Kronauer aber auch um eine genauere Bestimmung der empirischen Dimensionen von Exklusion - sowohl in einer knappen historischen Perspektive als auch anhand empirischer Befunde aktueller Forschungen, dabei u. a. am Beispiel räumlich konzentrierter Ausgrenzung in benachteiligten Quartieren. Die Studie schließt mit einer pointierten Reflexion der politischen Implikationen des Faktums der Exklusion für ein substanzielles Demokratieverständnis. Inhaltsübersicht: Einleitung: Das Ausgrenzungsproblem und seine Ambivalenz. I. Exklusion, Unterklasse: Begriffe des gesellschaftlichen Umbruchs; II. Eine neue Qualität der Ausgrenzung durch Arbeitslosigkeit und Armut; III. Die Innen-Außen-Spaltung der Gesellschaft; IV. Ausgrenzungserfahrungen und gesellschaftliche Zugehörigkeit.
Thomas Mirbach (MIR)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.222.232.262 Empfohlene Zitierweise: Thomas Mirbach, Rezension zu: Martin Kronauer: Exklusion. Frankfurt a. M./New York: 2002, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/16954-exklusion_19475, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 19475 Rezension drucken
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