/ 22.06.2013
Detlef Bald / Wolfram Wette (Hrsg.)
Friedensinitiativen in der Frühzeit des Kalten Krieges 1945-1955
Essen: Klartext 2010 (Frieden und Krieg 17); 254 S.; brosch., 17,95 €; ISBN 978-3-8375-0402-6Die Friedensinitiativen, die sich gegen die Wiederaufrüstung und die damit zusammenhängende Westintegration der Bundesrepublik politisch engagierten, standen schnell im Verdacht, staatsgefährdend zu sein. Helmut Kramer erläutert in seinem Beitrag über die justizielle Verfolgung der westdeutschen Friedensbewegung, dass der Bundestag 1950 Tatbestände in das Strafrecht aufnahm, „die dem Strafgesetzbuch in der Zeit vor 1933 und dem 1945 von den Alliierten entnazifizierten Strafrecht unbekannt gewesen sind“ (52). In den Blick genommen wurden damit weniger objektive Sachverhalte, sondern die Gesinnung. Die Justiz ließ sich auf diese Weise politisch zur Bekämpfung der rigorosen Gegner Adenauers einspannen. Zur Strategie gehörte es, „bei Anklageerhebungen zunächst ausschließlich Kommunisten herauszugreifen“. Diese Kriminalisierung der KPD-Mitglieder bewirkte auch eine Diffamierung der „im Bereich von Krieg und Frieden gleichgesinnten bürgerlichen Opposition“ (55). Die Herausgeber bestätigen, dass es sich bei diesem Phänomen um keine Einzelfälle handelte. „Die in diesem Sammelband vorgestellten Repräsentanten und Gruppen der Friedensinitiativen unterlagen alle dem Diktum, kommunistisch oder prosowjetisch zu sein“ (13). Dieser massive Antikommunismus habe zugleich dazu gedient, die nationalsozialistische Vergangenheit zu verdrängen, dies habe sogar auf die Kirchen als Institutionen zugetroffen. Vorgestellt werden in den Beiträgen aber auch – neben anderen – kirchliche Gruppen wie die katholische Pax-Christi-Bewegung. Diese trat früh für eine französisch-deutsche Aussöhnung und einen christlich motivierten Pazifismus ein. Im zweiten Teil wird an das Engagement einzelner Persönlichkeiten erinnert, die Beiträge sind dem Philosophen Karl Jaspers, den Sozialdemokratinnen Alma Kettig und Else Reventlow (die sich vor allem als Frauenrechtlerin profilierte) sowie dem Theologen Martin Niemöller gewidmet. Wette schreibt, dass dieser seiner Zeit voraus gewesen sei, weil er im Gegensatz zu den führenden Politikern der Bundesrepublik und den USA schon in den 50er-Jahren erkannt habe, „dass die militärische Konfrontation keine dauerhafte Sicherheit garantieren konnte“ (240). Der Band, dessen Beiträge vor der Publikation auf Workshops vorgestellt wurden, steht inhaltlich in einem direkten Zusammenhang mit dem 2008 veröffentlichten Band „Alternativen zur Wiederbewaffnung“ (siehe Buch-Nr. 35306).
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.313
Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Detlef Bald / Wolfram Wette (Hrsg.): Friedensinitiativen in der Frühzeit des Kalten Krieges 1945-1955 Essen: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/33389-friedensinitiativen-in-der-fruehzeit-des-kalten-krieges-1945-1955_39946, veröffentlicht am 24.05.2011.
Buch-Nr.: 39946
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Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
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