/ 22.06.2013
Vera Caroline Simon
Gefeierte Nation. Erinnerungskultur und Nationalfeiertag in Deutschland und Frankreich seit 1990
Frankfurt a. M./New York: Campus Verlag 2010 (Campus Historische Studien 53); 415 S.; kart., 39,90 €; ISBN 978-3-593-39192-2Diss. Florenz; Gutachter: H.-G. Haupt, E. Francois, K. K. Patel, H. Uhl. – Die Autorin untersucht, wie der Tag der Deutschen Einheit gefeiert wird, der sich mit dem 3. Oktober 2010 das 20. Mal jährt. Vergleichend werden zudem formale Unterschiede und Gemeinsamkeiten zum französischen Nationalfeiertag am 14. Juli herausgearbeitet. Während in Frankreich die Feierlichkeiten durch zwei hauptberufliche Kommissionen unter Anleitung nationaler Ministerien organisiert werden, finden in Deutschland die zentralen Einheitsfeiern alternierend in dem Bundesland statt, welches gerade den Vorsitz im Bundesrat inne hat. Damit hat die jeweilige Staatskanzlei große Gestaltungsspielräume. Allerdings entsprechen, so betont die Autorin, „die wechselnde Organisation und der alternierende Austragungsort [...] nicht den Kriterien eines nationalen Rituals“ (124). Zudem steht in Frankreich ein festes Budget im Staatshaushalt für die Feierlichkeit zur Verfügung, während man sich in Deutschland um privates Sponsoring bemüht. Letzteres führte beispielsweise im Jahr 2002 dazu, dass der Konzerchef von Vattenfall Europe als einer der Hauptakteure zu Wort kam oder sich der Coca Cola-Konzern mit einer Einheitsbühne bewarb. Infolge der föderalen Organisation, so Simon weiter, „prägten in Deutschland Kämpfe um den Zugang zum kommunikativen Raum den 3. Oktober“ (128). Was die in Deutschland nach wie vor aktuelle Frage der Datumswahl angeht, meint die Autorin, dass mit dem Datum des Beitritts der DDR zur Bundesrepublik der Akzent auf die staatlichen Verhandlungen gelegt wurde. Damit trage er den starken Charakter eines Staatsfeiertages, der die Bedeutung der staatlichen Eliten unterstreiche und immer wieder zur Kritik der Bürgerferne führe. Zudem zeigt sich in der Untersuchung, dass man sich in Frankreich zunehmend kritisch mit der französischen Nationalgeschichte befasst, während in Deutschland eine affirmative nationale Neubegründung der Nationalgeschichte zu beobachten ist.
Timo Lüth (TIL)
Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.23 | 2.35 | 2.61 | 2.2
Empfohlene Zitierweise: Timo Lüth, Rezension zu: Vera Caroline Simon: Gefeierte Nation. Frankfurt a. M./New York: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/32503-gefeierte-nation_38791, veröffentlicht am 30.08.2010.
Buch-Nr.: 38791
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Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
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