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/ 22.06.2013
Anna Katharina Mangold

Gemeinschaftsrecht und deutsches Recht. Die Europäisierung der deutschen Rechtsordnung in historisch-empirischer Sicht

Tübingen: Mohr Siebeck 2011 (Jus Internationale et Europaeum 55); XXII, 586 S.; brosch., 84,- €; ISBN 978-3-16-150650-5
Rechtswiss. Diss. Freiburg; Begutachtung: R. Wahl, Th. Würtenberger. – Der Prozess der europäischen Integration wird im Wesentlichen durch das Recht befördert. Seit den 1990er-Jahren ist deshalb eine lebhafte Debatte zwischen Politik- und Rechtswissenschaftlern über die Voraussetzungen, Mechanismen und Funktionslogiken der Integration durch Recht entstanden. Mangold knüpft an diesen Diskurs an und beschäftigt sich aus juristischer Perspektive mit der zunehmenden Europäisierung des deutschen Rechts. Eine fokussierte Analyse erwartet den Leser nicht. Vielmehr ist die Autorin bemüht, eine empirische Bestandaufnahme abzuliefern, die sämtlichen Aspekten des europäisierten deutschen Rechts gerecht wird. Neben rechtsdogmatischen Fragen werden deshalb auch politisch-historische Zusammenhänge dargestellt und die zentralen Akteure der rechtlichen Integration analysiert, besondere Aufmerksamkeit gilt dem Europäischen Gerichtshof. Damit aber nicht genug: Mangold widmet sich zudem ausführlich der nationalen Rezeption des europäischen Rechts, sie fragt nach dem Stellenwert europarechtlicher Themen im Kontext der juristischen Ausbildung und beschäftigt sich mit der Europäisierung der drei Staatsgewalten. Abschließend werden die Ergebnisse der Untersuchung theoretisch eingeordnet. Mangold hat mit ihrer Arbeit ein Kompendium vorgelegt, das die Europäisierung des deutschen Rechts in nahezu allen Facetten beleuchtet. Gleichwohl ist der Anspruch, sämtliche Aspekte zu berücksichtigen und angemessen darzustellen, eine Schwachstelle der Arbeit. Angesichts der Detailfülle und den vielen angerissenen Themen fühlt man sich als Leser oft verloren. Ein roter Faden lässt sich nur schwer ausmachen. Darüber hinaus soll die Arbeit interdisziplinär anschlussfähig sein, die Autorin stützt sich nicht nur auf juristische, sondern auch auf politikwissenschaftliche Erkenntnisse. Das ist zu begrüßen. Allerdings gelingt es ihr nicht immer, zwischen den Disziplinen und ihren unterschiedlichen Vorgehens- und Betrachtungsweisen zu vermitteln. Der fachübergreifende Mehrwert der Untersuchung wird dadurch stark geschmälert. Das abschließende Urteil fällt somit ambivalent aus: Einerseits trägt Mangold zahlreiche Informationen zusammen, die für alle, die sich mit der Europäisierung des deutschen Rechts beschäftigen, von Interesse sind. Andererseits werden die Ergebnisse der Untersuchung leider in nicht hinreichender Form in den rechts- und politikwissenschaftlichen Diskussionsstand eingeordnet.
Jörn Ketelhut (JK)
Dr., Dipl.-Politikwissenschaftler, wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Helmut-Schmidt-Universität, Hamburg.
Rubrizierung: 2.322.3212.3233.13.3 Empfohlene Zitierweise: Jörn Ketelhut, Rezension zu: Anna Katharina Mangold: Gemeinschaftsrecht und deutsches Recht. Tübingen: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/33315-gemeinschaftsrecht-und-deutsches-recht_39843, veröffentlicht am 08.12.2011. Buch-Nr.: 39843 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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